Eishockey

Mit Glücksgefühl ins neue Jahr

Finne Antti Miettinen sichert Eisbären-Sieg gegen Ingolstadt Sekunden vor Ende der Verlängerung

Hinter dem EHC Eisbären liegt ein recht turbulentes Jahr. Sportliche Ziele wurden nicht erreicht, nicht in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), nicht in der Champions Hockey League. In der Folge sah sich der Verein genötigt, zum ersten Mal seit 2002 einen Trainer vorzeitig zu verabschieden. Der Wunsch, mit dem die Berliner in die letzte Partie des Jahres gingen, klang also nur zu verständlich. „Das Ziel ist klar: Wir möchten mit einem positiven Gefühl das Jahr 2014 abschließen“, gab der Sportliche Leiter Stefan Ustorf den Fans vor dem Spiel gegen den Deutschen Meister ERC Ingolstadt mit auf den Weg. Ein Sieg, das meinten sie, würde genau dieses Gefühl vermitteln.

Auf den mussten die Berliner zwar lange warten, doch kurz vor dem Ende der Verlängerung war er schließlich da. Mit 3:2 (0:2, 1:0, 1:0, 1:0) setzten sich die Eisbären gegen den Titelverteidiger vor 14.200 Zuschauern in der ausverkauften O2 World durch, versäumten es jedoch, diesen in der Tabelle zu überholen und auf Platz vier vorzurücken.

Tallacksons böser Schnitzer

Zuletzt präsentierte sich der Meister nicht gerade in Bestform, vier von fünf Spielen wurden verloren. Dass das nicht viel bedeuten muss, wussten sowohl die Eisbären als auch ihr Trainer Uwe Krupp. Auf unterschiedliche Weise durften beide diese Erfahrung schon machen in der vergangenen Saison. Die Berliner schieden im Pre-Play-off gegen die Oberbayern aus. Krupp verlor als Trainer der Kölner Haie das Finale gegen eine Mannschaft, mit der niemand gerechnet hatte.

Grundsätzlich muss das zwar wenig heißen, schließlich gibt es bei den Ingolstädtern neben vielen neuen Profis in Larry Huras auch einen neuen Trainer. Doch daran, dass der ERC unangenehm zu spielen ist, hat sich dadurch nichts geändert. Die Eisbären unterlagen in beiden vorherigen Partie dieser Saison. Was Ustorf dazu veranlasste, von offenen Rechnungen zu reden, die zu begleichen wären.

Aber die Rechnung wuchs, anders als erwartet, schnell an. Wohl mit den Gedanken noch nicht ganz bei der Sache vertändelte Barry Tallackson den Puck hinter dem eigenen Tor unbedrängt an den früheren Berliner Christoph Gawlik. Der bediente Martin Davidek, und die Berliner lagen zurück (2.). Dass Krupps Mannschaft noch die Niederlage in Iserlohn (3:5) zu schaffen machte, es war die erste nach zuvor sieben Siegen, ließ sich gar nicht unbedingt sagen. Nach vorn brachten die Eisbären immer wieder gute Spielzüge auf den Weg. Marcel Noebels (5.), Travis Mulock (7.) und Tallackson (9.) hatten dabei beste Einschussmöglichkeiten. Doch bei den Abschlüssen waren die Berliner zu unkonzentriert.

Deutlich konsequenter agierten die Gäste. Der Meister erhöhte seine Führung mit dem ersten Überzahlspiel durch Patrick Hager (19.). Das ließ die bis dahin gefälligeren Berliner, die neben dem gesperrten Mark Bell wegen einer Rippenprellung auch auf Matt Foy verzichten mussten, etwas die Linie verlieren. Genau das, hatte Krupp zuletzt noch gelobt, unterlief seiner Mannschaft unter ihm noch nicht. Doch die robuste Spielweise der Ingolstädter brachte die Eisbären genauso in Bedrängnis wie die permanenten Abschlüsse. Die Schüsse kamen zwar nicht immer durch, doch der Titelverteidiger versuchte aus allen Lagen, die Scheibe zum Tor zu bringen. EHC-Goalie Petri Vehanen hatte viel zu tun.

Zum Stil der Berliner gehört dieser enorme Zug zum Tor nicht. Sie suchen mehr die spielerischen Lösungen. Nur fielen ihnen gegen die defensiv sehr geordneten Oberbayern keine überzeugenden ein. Doch mit dem Trainerwechsel ist ja eine neue Hoffnung bei den Eisbären und auch ihren Fans eingezogen. Die standen in der Kurve diesmal alle konzertiert in rot gekleidet und konnten sehen, wie Antti Miettinen durch frühes Stören den Puck hinter dem gegnerischen Tor eroberte und Mulock ihn nach dem Pass gleich wieder abfeuerte. Im Nachschuss gelang ihm dann der Anschluss (40.).

Zitterpartie bis zum Schluss

Insofern gingen die Berliner zunächst mit einem guten Gefühl in das letzte Drittel. Das wurde sogar noch besser, denn nach und nach setzten sich die Berliner in der offensiven Zone fest. Zwar brauchte es viel Geduld, doch Marcel Noebels traf 97 Sekunden vor der Schlusssirene zum ersehnten Ausgleich. Noch näher am Ende der Spielzeit war der Treffer von Miettinen in der Verlängerung. 5,5 Sekunden vor dem Gang ins Penaltyschießen gelang dem Finnen in Überzahl der Siegtreffer. Der Abschluss des Jahres 2014 verlief also weitgehend nach Wunsch. Am Freitag in Krefeld spricht nichts dagegen, auch mit einem guten Gefühl in das neue Jahr zu starten.