Wintersport

Skispringer kämpfen gegen ihr Trauma bei der Vierschanzentournee

Bundestrainer Werner Schuster suchte nach Worten für das vermeintlich Unerklärbare.

Eine Erklärung für das schlechte Abschneiden der deutschen Skispringer in Oberstdorf hatte er nicht. Es blieb Fassungslosigkeit: „Wir hatten noch nie mit einer derart hohen Qualität so ein schlechtes Springen“, sagte Schuster.

Es ist Vierschanzentournee, und das Gesetz der vergangenen Jahre tritt auch diesmal in Kraft: Die Österreicher können die Tournee, die Deutschen nicht. Sie springen schlechter als zuvor im Weltcup, scheitern an ihren eigenen Erwartungen und denen der Zuschauer. Der Traum vom Gesamtsieg ist bereits nach dem Auftaktspringen ausgeträumt. Das ist nicht nur ein Desaster für das Team, sondern genauso fatal für die Stimmung unter den deutschen Zuschauern. Schuster verspricht Wiedergutmachung – es ist die einzige Chance, die ihnen bleibt. Jetzt bloß kein Tourneetrauma. „Im Unterschied zum vergangenen Jahr ist unsere Qualität höher. Und wir werden alles daransetzen, das zu zeigen", sagt Schuster.

Sechs Mal in Folge gewann zuletzt ein Österreicher die Tournee, und es könnte wieder so kommen. Die Deutschen jedenfalls werden sie nicht daran hindern können. „Die Österreicher haben bei der Tournee dieses Selbstverständnis“, versucht Schuster eine Erklärung. „Dieses Selbstverständnis haben wir versucht, über die Jahre aufzubauen. Das ist uns bis hin zur Olympiamedaille gelungen – hier noch nicht.“ Dabei waren die Hoffnungen nach Olympiagold im Team bei den Winterspielen in Sotschi und dem WM-Titel im Skifliegen durch Severin Freund groß.

Es fehlt an Gelassenheit

Den beiden Topspringern Freund und Richard Freitag fehlte ganz offensichtlich die nötige Gelassenheit – das sieht auch Schuster so: „Ihnen fehlte die innere Balance und das tiefe Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.“ Ein Tag bleibt ihnen zur Entspannung, um den Schalter im Kopf umzulegen. Direkt nach dem Wettkampf ging es schon weiter nach Garmisch-Partenkirchen, wo am Dienstag nur leichtes Training anstand.

Die Erwartungshaltung ist deutlich gesunken – der Kampfgeist der Deutschen aber geweckt. Mit einer „Jetzt-erst-recht-Haltung“ soll es klappen – ohne dabei zu verkrampfen. „Wir können es besser“, sagte Freund, und Schuster ergänzte: „Ich will nicht glauben, dass wir bis Bischofshofen kein Erfolgserlebnis mehr haben. Das lassen wir nicht auf uns sitzen.“ Jetzt kommt das Neujahrsspringen in Garmisch (13.30 Uhr). Zu allem Überfluss gehört die Olympiaschanze jedoch nicht zu den liebsten Anlagen von Freund.