Fußball

Wie van Gaal aus Manchester wieder ein United formt

Trainer bringt van Persie und Rooney in ein System

Louis van Gaal zählt sicherlich nicht zu jenen Trainern, die man als einfach bezeichnen möchte. Er ist schon ein rechter Sturkopf, der Niederländer. Eines muss man van Gaal jedoch zugute halten: Egal, wo der 63-Jährige in den vergangenen Jahren angestellt war, jede der von ihm betreuten Mannschaften hat von ihm profitiert.

Den AZ Alkmaar führte er 2009 zum zweiten Titel in der Ehrendivisie, den FC Bayern zum Double und ins Champions-League-Finale 2010. Und als Bondscoach entzauberte er mit den Niederländern Weltmeister Spanien mit einem grandiosen 5:1 und wurde in Brasilien WM-Dritter. Wer, wenn also nicht van Gaal, sollte Manchester United nach der für den englischen Rekordmeister desaströsen Vorsaison mit Rang sieben und dem Verpassen eines Europapokalplatzes wieder in die Spur bringen?

Neun Spiele ist ManUnited nun bereits ungeschlagen, auch wenn das 0:0 im Verfolgerduell am Sonntag bei Tottenham Hotspur ein kleiner Rückschlag bei der Verfolgung von Spitzenreiter und Hinrundenmeister FC Chelsea (1:1 in Southampton) gewesen ist. Der Tabellendritte liegt weiter zehn Punkte hinter den Blues, der Abstand zum Ligazweiten und Lokalrivalen Manchester City (2:2 gegen Burnley) beträgt nach dem 19. Spieltag sieben Zähler.

Einfache Formel als Lösung

Doch van Gaal hat seit dem Sommer etwas geschafft, was selbst der großen Trainerlegende Sir Alex Ferguson nicht gelungen war: Er brachte Wayne Rooney und Robin van Persie dazu, ihr Ego zum Wohle der Mannschaft hintenanzustellen. United sollte in jeder Hinsicht wieder United sein, sich als Einheit auf dem Platz präsentieren.

„Rooney und van Persie trainieren jetzt seit sechs Monaten zusammen. Deshalb ist es völlig normal, dass sie sich verbessern“, sagte van Gaal. Um so erstaunlicher ist es ob dieser einfachen Formel, dass es weder Ferguson noch dessen Nachfolger David Moyes geschafft haben, die beiden Stürmer unter einen Hut zu bekommen. Als van Persie 2012 nach Old Trafford wechselte, war er bei Ferguson im Angriffszentrum gesetzt, seit Jahren Rooneys Territorium. Englands Nationalspieler zog wutentbrannt sogar schon einen Wechsel zu Chelsea in Erwägung. Moyes wiederum gab Rooney den Vortritt, obwohl van Persie Manchester gerade mit 25 Toren zum 20. Titel geschossen hatte. Der Torschützenkönig sei übertrainiert und deswegen verletzungsanfälliger als Rooney.

Van Gaals Schachzug war hingegen einfach und wirkungsvoll zugleich, bediente er doch beide Egos, ohne das Team zu schwächen. So stürmt Landsmann van Persie wieder in vorderster Front, auf dem Platz, den Rooney immer begehrte. Rooney wiederum wurde zum Kapitän gemacht, ein Amt, das sich auch van Persie gut vorstellen konnte.

Noch im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League in Piräus im Februar hatten Rooney und van Persie gerade einmal einen Ballkontakt miteinander – beim Anstoß. Fast ein Jahr später, beim Boxing Day am zweiten Weihnachtstag, überließ zunächst der Niederländer dem Briten den Raum, um beim 3:1 gegen Newcastle United zwei Tore zu erzielen. Rooney wiederum bedankte sich für so viel Freiraum mit der Vorlage zum entscheidenden 3:0 durch einen Kopfball van Persies. Der Niederländer zeigte beim Jubel auf Rooney, um sich bei ihm zu bedanken, anschließend fielen sich beide wie alte Freunde in die Arme. „Das war sehr wichtig“, sagte Coach van Gaal, „denn Fußball ist ein Mannschaftssport, bei dem Menschen kooperieren müssen. Aber wir haben eine hohe soziale Verantwortung im Team.“

Es ist dieses Miteinander in seinen Mannschaften, das van Gaal stets zu pflegen versucht. So war es in Alkmaar, bei den Bayern oder auch in der niederländischen Elftal. Dass er das dabei oft auch dickköpfig einfordert, spricht nicht unbedingt gegen ihn.