Skispringen

Von Partys, Psychotricks und Liebesbriefen

Heute beginnt die Vierschanzentournee, die deutschen Skispringer warten schon seit 13 Jahren auf einen Sieg. Vier große Sieger der Vergangenheit erinnern sich in der Morgenpost an ihren Triumph

Helmut Recknagel, 77, 3x Sieger

Als erster Deutscher das Kunststück fertig zu bringen, die Tournee zu gewinnen – das war schon ein Vergnügen. Man denkt ja nicht nur an sich in so einem Moment – jedenfalls die wahren Sieger nicht.

Die Nervenbelastung bei einer Tournee ist riesig. Es ist ein Etappenrennen, das Freude bereitet, aber auch Verantwortung mit sich bringt. Jeder, der die Chance auf den Sieg hat, trägt die Hoffnungen anderer Menschen mit sich. All die Erwartungen zu schultern, fiel mir schwer. Ich wollte den Zuschauern Freude bereiten – das ist auch eine Mission des Sports. Du brauchst Mut, Kraft, Können – und einen großen Willen, um bei der Tournee zu triumphieren. Du musst dich auch selbst stark reden – es gibt ja diese Einredekunst: Die anderen sind auch nicht besser, sie können gar nicht besser vorbereitet sein. Da liegt eine Riesenverantwortung bei jedem selbst. Zudem braucht es einen vertrauensvollen Trainer. So einen Trainer haben die Deutschen derzeit mit Werner Schuster.

Wir hatten damals unter den Konkurrenten ein freundschaftliches Verhältnis. Sie haben von mir manchmal Wachs bekommen, weil sie dachten, ich hätte bessere Paraffine, dabei stimmte das nicht. Finnen und Norweger haben zum Teil ganz schön geraucht, auch an der Schanze. Nie vergessen werde ich meine erste Tournee 1955/56: Ich absolvierte beim Training in Garmisch-Partenkirchen zwei Sprünge und kam nicht richtig auf den Steilhang. Später im Restaurant fragte mein Trainer, warum ich nicht den dritten Sprung gemacht hätte, um mich zu verbessern. Ich sagte, ich hätte mich nicht wohl gefühlt – dann schickte er mich heim. Ich stand am Bahnhof bei 24 Bahnsteigen und wusste nicht, wie ich heimkomme. Ein ganz schlimmer Moment. Ich habe drei Tage geschlafen und dann unter einem anderen Trainer einen neuen Absprung trainiert – und es lief. Manchmal ist es gut, wenn man einen auf die Mütze bekommt.