Vierschanzentournee

Sven Hannawald, 40, Sieger 2001/02

Die Gegensätze zwischen meinen Anfängen und dem Tournee-Erfolg sind schon krass.

Zu Beginn durfte ich nur die ersten Wettbewerbe in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen mitmachen, scheiterte auch mal in der Qualifikation – da konnte ich vor dem Neujahrsspringen Silvester feiern. Später war es eine andere Welt. Für mich stand die Tournee immer an erster Stelle – vor Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen. Da siegt auch mal der Glückliche. Die Tournee ist mehr. Der Sieg damals war deshalb das absolute Highlight meiner Karriere.

Bei der Tournee muss es längst nicht so sein, dass jene Springer um den Sieg kämpfen, die zuvor die Saison dominiert haben. Die Reise nach Bischofshofen ist lang, da kommt viel zusammen, was sich an einem normalen Weltcup-Wochenende nicht trainieren lässt. Während ich bei einem einzelnen Springen schon mal volles Risiko gehe, ist es bei dieser Wettbewerbsserie eher ein kalkuliertes Risiko. Ich wollte mir ja nicht alles verbauen. Das Ausschlaggebende bei meinem Sieg war: Ich hatte einen Weg gefunden, mich von dem Drumherum nicht irritieren zu lassen. Zu der eh schon großen Aufmerksamkeit bei einer Vierschanzentournee kam erschwerend hinzu, dass die Medien und Zuschauer ja nicht nur fragten: Gewinnt er?, sondern auch, ob ich den Triumph mit vier Siegen schaffe.

Die psychische Belastung, der Druck und Stress wurden mit jedem Tag größer. Ich hatte während der Tournee wirklich Müdigkeitserscheinungen, konnte aber von meinem stabilen Flugsystem profitieren. Und letzten Endes hatte ich auch das nötige Selbstvertrauen. Diese Vierschanzentournee mit den vier Einzelsiegen hat mich geprägt. Ich habe gelernt: Wenn man bei sich bleibt, sein Ding durchzieht und auf sich vertraut, kann man Vielem trotzen und viel schaffen – im Sport und im Leben.