Familie

„Es gibt Wichtigeres als Basketball“

Alba-Star Hammonds unterstützt mit seiner Tochter Projekte zugunsten krebskranker Kinder

Niemand in der Basketball-Bundesliga möchte ihn zum Gegenspieler haben. Clifford Hammonds ist ein Kraftpaket, unnachgiebig, ein Albtraum auf dem Feld, sofern man nicht das Alba-Trikot trägt wie er. Der US-Amerikaner wurde zum besten Verteidiger der Liga gekürt. Auch in der Offensive zählt er zu den Stärksten im Team. Er bringt als Point Guard den Ball nach vorn, zeigt die Systeme an, setzt seine Mitspieler ein. Oder schließt selbst ab.

Der 29-Jährige ist der stille Star von Alba Berlin, Anführer durch Taten statt große Worte. Seine Fähigkeiten in seinem Sport und eine professionelle Einstellung haben ihm die Chance eröffnet, ein gutes Leben zu führen. Er war als Profi in der Türkei unterwegs, in Griechenland, Bosnien, Frankreich, sogar in Puerto Rico. So viel zum Basketballprofi Hammonds.

Derselbe Mann sagt: „Menschen zu helfen, die in Not sind, ist viel wichtiger als alles, was ich auf dem Basketballfeld tun kann.“ Ihm ist das einmal mehr bewusst geworden, als das Alba-Team dieser Tage auf der Kinderkrebsstation des Virchow-Klinikums war, um dort an der Weihnachtsfeier teilzunehmen. Es ist eine gute Tradition, mittlerweile schon im 18. Jahr tun die Basketballer das. Die Spieler überreichten an die Jungen und Mädchen Geschenke, die durch Spenden von Fans bei Heimspielen finanziert wurden. Sie sangen auch Weihnachtslieder mit ihnen oder standen für Erinnerungsfotos bereit. Die Profis können sich denken, dass nicht alle diese Kinder das nächste Weihnachtsfest auch noch erleben werden. „Wir wollen Hoffnung geben und positive Energie, ihnen zu helfen, gegen den Krebs anzukämpfen“, sagt Hammonds.

Zwei Kinder im Alba-Nachwuchs

Der Familienvater hat selbst drei Söhne und eine Tochter, „zum Glück sind alle gesund“, sagt Hammonds, „ich kann zwar nicht wirklich wissen, wie das ist, ein Kind mit Krebs zu haben, mir aber schon vorstellen, wie das für die Eltern in der Situation sein muss. Es muss schlimm sein“. Was in seiner Macht steht, die Lage etwas erträglicher zu machen, will er deshalb tun.

Umso mehr hat er sich über seine fünfjährige Tochter Clidraya gefreut, die eines Abends mit der Nachricht auf ihn wartete, dass sie nun auch helfen wolle. Sie ist bei den kleinsten Cheerleadern des Vereins, den Albambinis, aktiv. Dort hatten Eltern die Idee entwickelt, eine Klinik in Bernau zu unterstützen, die Kinder und Angehörige in der Rehabilitation nach überstandener Krebstherapie betreut. Clidraya war gleich Feuer und Flamme.

„Sie war fest davon überzeugt, helfen zu müssen“, erzählt Clifford Hammonds stolz, „sie hat ein gutes Herz.“ Ihm hat imponiert, wie die kleinen Cheerleader nach dem Spiel durch den Alba-Vip-Raum liefen und eifrig Spenden sammelten. Es wurde nicht nur um Geld gebeten, sondern die Eltern der Albambinis schauten zu Hause auch nach schon benutztem Spielzeug, das sie zur Verfügung stellten. Viele alte und neue Spielsachen kamen so zusammen, außerdem konnten weitere 30 Geschenke gekauft und überreicht werden. Die Klinik-Mitarbeiter wurden auch zum Alba-Heimspiel eingeladen.

Diese Projekte findet Hammonds wichtig – und etwas Besonderes an Alba. Bei seinen bisherigen Klubs hatte er Vergleichbares nicht erlebt, „aber es ist doch gut, in kleinen Dingen der Allgemeinheit etwas zurückzugeben. Man hat als Spieler mehr Aufgaben, als nur auf dem Court zu stehen, man muss auch Verantwortung übernehmen“. In seiner Mannschaft sähen das alle so und freuten sich auf den Besuch im Virchow-Klinikum.

Vielleicht ist dieses Bewusstsein bei Hammonds deshalb besonders ausgeprägt, weil er sich als Familienmensch sieht. Vielleicht auch, weil er sich in Berlin offensichtlich sehr wohl fühlt. Nie zuvor war er länger als ein Jahr bei einem Klub, aktuell absolviert der Spielmacher immerhin seine zweite Saison für Alba, eine weitere Verlängerung scheint möglich. Seinen achtjährigen Sohn „CJ“ hat er schon beim Alba-Nachwuchs angemeldet; außerdem spielt Clifford Junior im Schulteam der Berlin Metropolitan School. So oft es geht, schaut der Vater zu, auch bei den Albambinis. Am liebsten nicht als Star des aktuellen Profiteams, „viel lieber bin ich da nur einer von vielen Vätern“. Genauso wichtig ist ihm allerdings, dass seine Frau und die Kids zuschauen, wenn er selbst in der O2 World aufläuft. Ihr Zuhause hat die Familie in Tallahassee/Florida. Aber auf all seinen Auslandsstationen haben ihn seine Leute begleitet, denn: „Ich funktioniere nicht ohne meine Familie.“ Selbst der härteste Verteidiger kann eben seine weichen Seiten haben.