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Harting schämt sich für eine Auszeichnung

Sportler des Jahres entschuldigt sich bei den Olympiahelden von Sotschi

Robert Harting war seine dritte Auszeichnung als Deutschlands „Sportler des Jahres“ selbst unangenehm, und von der ebenfalls gekürten Maria Höfl-Riesch gab es gar deutliche Kritik. Ungeachtet des festlichen Ambientes im Kurhaus von Baden-Baden wurde die Sportlergala von Misstönen begleitet. „Wenn man bei den Herren schaut, finde ich es eher bedenklich, dass ein Europameister aus dem Sommer anscheinend mehr wert ist als ein Olympiasieger aus dem Winter. Vor allem, weil er es ja jetzt zum dritten Mal in Folge war“, monierte die Alpin-Ikone. Man müsse die Wahl der rund 1200 deutschen Sportjournalisten akzeptieren. „Aber für den Wintersport eigentlich sehr traurig, und ein bisschen ein Armutszeugnis“, ergänzte die frühere Skirennfahrerin.

Diskusstar Harting war vor dem Nordischen Kombinierer Eric Frenzel und dem Rodler Felix Loch – zwei Goldmedaillengewinnern von Sotschi – gelandet. Loch hatte in Russland sogar zweimal triumphiert. „Umso schlimmer ist es, dass ich da vorne stehe“, teilte sogar der momentan verletzte Harting sein Unverständnis mit. Der 30-Jährige schaute ziemlich verdutzt, als er von Oma Renate als Sieger proklamiert wurde. „Ich schäme mich ein bisschen“, sagte der Berlinern, „ich habe mich gleich bei den Wintersportler entschuldigt.“

Harting selbst und manch anderer vermutet, dass nicht nur die Leistung für seine Kür ausschlaggebend gewesen sein konnte – auch sein kritischer Geist spielte wohl eine Rolle, zum Beispiel beim Verzicht bei der Wahl der Welt-Leichtathleten des Jahres, weil ein früherer Dopingsünder auf der Kandidatenliste stand. Und dann ist da noch sein Engagement für eine Sportlotterie, die mit ihren Erlösen alle deutschen Athleten unterstützen und Ende Januar starten soll. Dennoch meinte Harting: „Ich fühle mich wie in der Grundschule, als ich so mit acht oder neun Jahren einen Wettbewerb gewonnen hatte und am nächsten Tag haben mich die Klassenkameraden nicht mehr gemocht.“ Doch gerade für solche Aussagen flogen ihm in Baden-Baden dann die meistenSympathien zu. Denn auch Kollegen aus der Leichtathletik kritisierten die Wahl. „Bei aller Liebe zur eigenen Sportart hätte meiner Meinung nach ein Olympiasieger gewinnen sollen“, twitterte Stabhochsprung-Weltmeister Raphael Holzdeppe.

Nur ein Fußballprofi kam vorbei

Keine Zweifel gab es bei der Ehrung der Fußball-Nationalmannschaft. Doch es kam nicht bei jedem Festgast gut an, dass neben Bundestrainer Joachim Löw nur DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und Christoph Kramer als einer von 23 Nationalspielern des WM-Kaders von Brasilien ins Kurhaus gekommen waren. Dennoch gab es im Bénazetsaal bei der Einspielung von Mario Götzes Tor zum 1:0-Sieg im WM-Finale gegen Argentinien spontanen Beifall. „Ich habe mir 24 Jahre lang überlegt: Kann dieses Glücksgefühl von 1990 noch einmal eintreten? Es geht“, sagte Niersbach mit Blick auf die Endspiele von Rom und Rio de Janeiro.