Hertha BSC

So geht’s runter

Hertha überwintert auf Rang 13. Aber die 0:5-Blamage gegen Hoffenheim weckt Zweifel

Marcel Ndjeng ging in die Hocke und kam aus dem Kopfschütteln nicht heraus. Jens Hegeler beugte sich vornüber und wollte nichts mehr sehen. Thomas Kraft schüttete mit einem wütenden Schwung seine Wasserflasche aus und stapfte in die Kabine. Sollten die Kollegen sehen, wie sie das mit dem Jahresabschluss vor den Fans hinbekamen. Die anderen Spieler von Hertha gingen zaghaft in Richtung Ostkurve, applaudierten ein wenig und hielten einen Abstand von mindestens 20 Metern zu den Anhängern ein. Die Blau-Weißen legten einen völlig misslungenen Jahresabschluss hin. 0:5 (0:3) blamierte sich Hertha gegen die TSG Hoffenheim und beendet die Hinserie als Tabellen-13. mit 18 Punkten, nur einen Zähler vor der Abstiegsregion.

Anders gesagt: Hertha ist mittendrin im Kampf ums Überleben mit Freiburg, Dortmund, Werder, Stuttgart, dem HSV und Mainz. „0:5 zu Hause, das ist ein Debakel. Das darf uns nicht passieren“, sagte Stürmer Julian Schieber.

Vor 39.604 Zuschauern im Olympiastadion gab es nur eine Mini-Phase, in der ein wenig Hoffnung keimte. Das waren jene zwei Minuten, als Sandro Wagner und Salomon Kalou eingewechselt worden waren (72.). „Jetzt geht’s los“, wollten die Fans der Mannschaft Mut machen. Doch beim nächsten Hoffenheimer Angriff fiel das 0:4 durch Sebastian Rudy (74.).

Hertha zeigte eine englische Woche, die allen Rätsel aufgibt. Ein unerwartetes, aber hochverdientes 1:0 gegen den BVB. Ein schwer zu verstehendes 4:4 in Frankfurt, wo die Mannschaft in der Schlussminute noch einen Zwei-Tore-Vorsprung aus den Händen gab. Nun die Pleite gegen Hoffenheim – neun Gegentore in vier Tagen, da kann man als Torwart schon mal im Vulkan-Modus in den Katakomben verschwinden.

Dabei brachte Hertha das Kunststück fertig, zur Pause 0:3 zurückzuliegen, ohne, dass die Gäste ein Tor aus einer Chance erzielt hatten. Beim 0:1 lenkte John Brooks, unbedrängt im Fünf-Meter-Raum stehend, eine Flanke ins eigene Netz (23.). Der US-Amerikaner war verwirrt. Im nächsten Zweikampf ging Brooks ein wenig ungestüm zu Werke, Hoffenheims Sven Schipplock nahm die Berührung an und sank zu Boden – Elfmeter. Sejad Salihovic, der Spezialist der TSG aus der Hertha-Schule, verwandelte sicher – 0:2 (26.). Dann hatte Hertha Pech, dass Schiedsrichter Peter Sippel die Übersicht verlor, Andreas Beck drehte sich im Berliner Strafraum und sank wie vom Blitz getroffen danieder. Erneut traf Salihovic per Elfer – 0:3 (39.). Und räumte hinterher ein: „Den ersten Elfer kann man geben, der zweite war keiner.“

Trotzdem erstaunte, dass Hertha auch nach der Pause keine Antworten fand. Bei zwei zweifelhaften Elfmetern für die Gäste wäre es angezeigt gewesen, Situationen im Hoffenheimer Strafraum zu kreieren. Allein, die Berliner brachten keine Kombinationen über mehrere Stationen zustande. Sei es bei Flankenläufen von Nico Schulz über die linke Seite oder von Änis Ben-Hatira über die rechte – spätestens der letzte Pass auf den Mitspieler im Zentrum misslang.

Als wäre der Nachmittag mit den vielen individuellen Fehlern nicht schlimm genug, verzettelte sich noch Peter Niemeyer an der Strafraumgrenze bei zig Zweikämpfen. Es endete damit, dass er auf dem Hosenboden saß, Hoffenheims Roberto Firmino vorbei an Torwart Kraft auf Sebastian Rudy passte, der den Ball ins leere Tor schob – 0:5 (84.). Manndecker Jens Hegeler sagte: „Wir haben viel zu leichte Fehler gemacht und zu leichte Gegentore bekommen. Es hat sich angefühlt, als hätten wir fünf Eigentore geschossen.“

Nichts wurde es mit einem erhofften Befreiungsschlag, Hertha geht jetzt mit einem bitteren Gefühl in die Winterpause. „Bei uns ist eine riesen Enttäuschung da“, sagte Trainer Jos Luhukay. „Wir kriegen in der Defensive keine Kontrolle, helfen bei den Gegentoren mit. Dann ist das Resultat auch in dieser Höhe für Hoffenheim gerechtfertigt.“ Hertha startet am 5. Januar 2015 in die Rückrunden-Vorbereitung. Auf die Frage, ob er dafür neue Spieler benötige, sagte Luhukay: „Ich bin der letzte, der öffentlich nach neuen Spielern ruft. Wir hatten die Überzeugung, dass wir im Sommer mit den Neuen eine Mannschaft zusammengestellt haben, die besser ist als in der Rückrunde der vorigen Saison. Das ist aber nicht eingetreten.“