Handball

Füchse-Talfahrt: Hanning hält aber am Trainer fest

Handball-Profis lassen erneut Leidenschaft vermissen

Zumindest musste sich Bob Hanning die erneute Enttäuschung nicht an Ort und Stelle mit anschauen. Die Maschine, die ihn gen Westen bringen sollte, wurde ersatzlos gestrichen, sodass der Geschäftsführer der Füchse Berlin daheim saß, während sein Team beim Bergischen HC 25:30 verlor. „Es hat den Anschein, dass wir uns nicht dagegen aufbäumen“, sagte Hanning in einer Mischung aus Frust und Ratlosigkeit. Ein Schritt vor, beim 27:23 im Pokal-Achtelfinale in Erlangen, folgten nun wieder zwei zurück. In Anlehnung an den berümten Wutausbruch von Fußballcoach Giovanni Trapattoni sagte Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson: „Die erste Halbzeit war eine Katastrophe – wie Flache leer...“

Die Füchse sinken immer tiefer, sind jetzt Zehnter (18:20 Punkte). Das Ziel, im kommenden Jahr wieder europäisch zu spielen (Rang fünf müsste dafür erreicht werden, eventuell reicht noch der sechste Platz), ist in weite Ferne gerückt. „Wir sind vom Europapokal weiter weg als vom Abstieg“, meinte Hanning. Sechs Punkte sind es noch zum Abstiegsplatz 16. Hanning: „Wir müssen jetzt Punkte sammeln, um nicht noch tiefer rein zu rutschen.“ In den vergangenen vier Bundesliga-Partien gab es für die Berliner vier Niederlagen: in Magdeburg, in Flensburg, gegen die Rhein-Neckar Löwen und eben beim Bergischen HC. Für Hanning steht fest: „Es wird von Mal zu Mal enger.“ Weil die Mannschaft immer wieder ins „alte Schema“ verfalle. Erneut habe auch die Leidenschaft gefehlt.

Am Dienstag gegen Göppingen

Am Sonntag setzte sich der Geschäftsführer – wieder einmal – mit dem Trainerteam zusammen. „Man muss sehen, was wir tun können.“ Die Alternative, sich vom Trainer zu trennen, gibt es für ihn nicht. „Ich bin zu 100 Prozent von ihm überzeugt.“ Aber auch Sigurdsson weiß: „Es muss eine drastische Steigerung folgen, wenn wir vor der Pause noch Punkte holen wollen.“ Bevor die Bundesliga wegen der WM in Katar bis Mitte Februar 2015 pausiert, müssen die Berliner noch am Dienstag (Schmeling-Halle, 19 Uhr) gegen Frisch Auf Göppingen und am 26. Dezember beim VfL Gummersbach antreten. Vier Punkte aus den beiden noch ausstehenden Partien und der Begegnung beim Bergischen HC hatte der Isländer vor einigen Tagen gefordert. Die erste Chance wurde schon mal vertan.

Wenigstens war man bei den Füchsen froh über das Pokallos, das im Viertelfinale als Gegner den Zweitligaersten SC DHfK Leipzig bescherte, in dessen Aufsichtsrat auch Handball-Ikone Stefan Kretzschmar sitzt.

Andere haben es am 4. März 2015 ungleich schwerer: Magdeburg trifft auf Göppingen, Gummersbach empfängt Flensburg-Handewitt – und in Mannheim steigt das Highlight zwischen den Rhein-Neckar Löwen und Kiel. Die Berliner haben als Titelverteidiger gute Chancen, sich erneut für das Final Four in Hamburg (9./10. Mai 2015) zu qualifizieren.

Hanning nahm die Konstellation mit einem gewissen Sarkasmus: „Vielleicht gewinnen wir ja gegen einen Zweitligisten.“ Um gleich jedoch ernst anzufügen: „Das ist eine starke Mannschaft. Und wenn wir so spielen wie beim Bergischen HC, können wir auch dort verlieren.“ Trapattoni würde dann wohl sagen: „Was erlauben Füchse...“