Profifußball

Indiens Fans feiern erstmals mit Pizza und Popcorn

Doch die neue Fußballliga hat noch große Strukturprobleme

Der pompöse Abschluss der neu gegründeten indischen Profifußball-Liga ISL soll erst der Anfang gewesen sein. „Wir haben eine Fußballnation geschaffen“, sagte Uday Shankar als Chef des übertragenden TV-Senders Star nach dem 1:0 von Atletico de Kalkutta im Finale gegen Kerala Blasters. Mit Hilfe von Altstars wie dem italienischen Ex-Weltmeister Alessandro Del Piero oder dem Franzosen David Trezeguet sollte in den zurückliegenden zehn Wochen dem Fußball im von Kricket dominierten Land auf die Sprünge geholfen werden.

Die eingekauften ausländischen Spieler und Trainer machten sich nach dem Schlussakt meist umgehend auf den Rückweg. Es soll aber kein Abschied für immer sein. Der frühere brasilianische Weltstar Zico, der mit seinem FC Goa im Halbfinale rausflog, hat auch für die kommenden zwei Jahre ein ISL-Angebot. „Ja, ich will zurückkommen. Aber jetzt mache ich Urlaub. Ich war lange von meiner Familie getrennt“, sagte Zico und ergänzte: „Ich hoffe, den Spielern in ihrer Entwicklung geholfen zu haben. Ihr Verhalten auf dem Platz und ihre Leistungsfähigkeit haben mich wirklich beeindruckt.“

Beeindruckt waren einige Beobachter. „Das war faszinierend wie ein Weihnachtsgeschenk. Aber was bleibt davon?“, meinte Kommentator Novy Kapadia. Denn noch ist das Land – trotz der zweitgrößten Bevölkerung der Welt – noch ein Fußball-Zwerg. In der Fifa-Weltrangliste steht Indien auf Platz 171. Und in den zehn Monaten ohne ISL bleibt den Fans nur die unterfinanzierte, weitgehend unbekannte Profiliga I-League. Dass es nun in Zukunft zwei konkurrierende Ligen geben soll, halten viele Experten für kontraproduktiv.

Viel Nachbesserungsbedarf sehen Beteiligte noch beim Rasen, den zu langen Wegen zwischen Hotel und Stadien sowie den Reisen unter manchmal schwierigen Bedingungen. „Wenn die ISL ein wirklicher Erfolg werden soll, dann müssen die Infrastruktur und die Trainingsstätten aufgewertet werden“, sagte etwa der Engländer Peter Reid, der Mumbai City trainierte und damit Coach des früheren Bundesligaprofis Manuel Friedrich war.

Etwas Geld sei bereits in die Hand genommen worden, betont Kapadia. „Früher hat man im Stadion nur einen Becher indischen Tee bekommen, jetzt wird Pizza und Popcorn an den Platz serviert“, sagt er. Doch viele der Tickets wurden ihm zufolge gratis verteilt. Kapadia: „Wir sind noch keine richtigen Fans.“ Immerhin: Ein Anfang ist gemacht.