Veröffentlichung

Mit Transparenz und einem Ultimatum

Fifa publiziert Garcia-Report und setzt Katar unter Druck

Grünes Licht für das brisanteste Dokument des Weltfußballs: Das Exekutivkomitee des Weltverbandes Fifa entschied sich am Freitag in Marokko einstimmig für die Veröffentlichung des Garcia-Reports, in dem auf 430 Seiten über die Korruptionsvorwürfe gegen die WM-Gastgeber Russland 2018 und Katar 2022 berichtet wird. Beweise, die eine Neuvergabe rechtfertigen würden, gibt es aber auch laut eines zweiten Gutachtens aus Deutschland derzeit nicht. „Die Krise ist gestoppt, weil wir wieder die Einigkeit in unsere Führung haben“, sagte Fifa-Präsident Joseph Blatter, 78. Stellte aber klar: „Da müsste sich schon eine Katastrophe ereignen, damit die Entscheidung für Russland und Katar revidiert wird.“

Dem Wüstenemirat stellte die Fifa aber laut einem Bericht der „Welt“ ein Ultimatum zur Verbesserung der Menschenrechte, bis zum 15. März müsse eine unabhängige Prüfungskommission eingerichtet werden. Geschieht dies nicht, soll einer der 209 Nationalverbände den Antrag stellen, dem Staat die WM wieder zu entziehen. Darüber würde auf dem Fifa-Kongress im Mai 2015 entschieden.

Öffentlich geworden war vom Garcia-Report bislang nur die stark verkürzte und weltweit kritisierte Auswertung des deutschen Richters Hans-Joachim Eckert (München). Chefermittler und Berichts-Autor Michael Garcia (USA) widersprach dann aber der Einschätzung Eckerts, seinen Einspruch wies die Fifa-Berufungskommission jedoch zurück. Daraufhin räumte Garcia am Mittwoch seinen Posten. Welche Abschnitte in der Arbeit Garcias vor allem wegen des Zeugenschutzes bei der Veröffentlichung wegen „geschwärzt“ werden müssen, soll in den kommenden Wochen die in die Kritik geratene Ethikkommission entscheiden.

Viel zu finden ist für die Kritiker aber offenbar nicht. Auch der von Domenico Scala, Vorsitzender der Audit- und Compliance-Kommission, beauftragte Sportrechts-Experte Martin Nolte von der Deutschen Sporthochschule in Köln fand in Garcias Arbeit nicht die erforderliche „Kausalität, um eine Pflicht zum Widerruf der Beschlüsse vom 2. Dezember 2010 entstehen zu lassen“. Die „bislang festgestellten Unregelmäßigkeiten“ würden nicht das „Ausmaß erreichen, das geeignet ist, die fraglichen Vergabeverfahren (...) gesetzes- oder statutenwidrig zu qualifizieren“.

Allerdings werden die Spekulationen und Anschuldigungen – speziell gegen das katarische WM-Organisationskomitee – wohl munter weitergehen. Der Handlungsspielraum der Ethikkommission war von Anfang an begrenzt, die Untersuchungskammer hatte keine strafrechtliche Handhabe. Vor allem die britische Presse publiziert zudem in fast regelmäßigen Abständen neue Dokumente, die einen Korruptionsskandal nahelegen. Offiziell bewiesen ist davon bislang aber offenbar nichts.