Handball

Wie das Kaninchen vor der Schlange

Füchse unterliegen Rhein-Neckar Löwen nach desolater zweiter Hälfte klar mit 20:30

Nur schnell weg. Immerhin, Petr Stochl fand noch die Muße, ein paar Autogrammwünsche der wartenden Fans zu erfüllen. Der Rest der Füchse-Spieler aber suchte sein Heil in der Flucht. „Wir waren schlecht, alles war schlecht“, fasste Linksaußen Fredrik Petersen das soeben Dargebotene zusammen und rauschte frustriert von dannen.

Wieder so ein Spiel, das für die Berliner gut beginnt, aber mit einer krachenden Niederlage endet. Erst in Flensburg, jetzt zu Hause gegen die Rhein-Neckar Löwen. Mit 20:30 (10:12) unterlagen die Füchse in der Handball-Bundesliga vor 9000 Zuschauern in der ausverkauften Schmeling-Halle dem deutschen Vize-Meister. Und das völlig verdient, wie Geschäftsführer Bob Hanning später einräumte. „Wenn wir wie das Kaninchen vor der Schlange vor der gegnerischen Abwehr den Ball hin- und herschieben, uns dann auch noch 20 Fehlwürfe und acht technische Fehler leisten, dann geht die Niederlage in dieser Höhe auch völlig in Ordnung“, analysierte der Manager nüchtern. Für die Füchse war es die vierte Liga-Pleite in Folge, die Berliner aber bleiben Tabellenachter. Beste Berliner Werfer war Fabian Wiede und Mattias Zachrisson mit je vier Toren.

Dabei hatte alles so gut angefangen. Erst sang vor dem Anpfiff Sänger Bollmer zum ersten Mal die neue Füchse-Hymne. „Wir sind stolz und glücklich, dass wir jetzt unser eigenes Vereinslied haben“, sagte Hanning. Seine gute Laune verflog dann aber zusehends. Immerhin, die ersten 30 Minuten hielten die Füchse gut mit. Sie setzten den Matchplan von Trainer Dagur Sigurdsson erfolgreich um. Mal abgesehen von den Fehlwürfen.

Zur Überraschung der Zuschauer lief von Beginn an Linksaußen Petersen auf. Der Schwede hatte sich vor zwei Wochen beim EHF-Pokalrückspiel in Nantes/Frankreich eine Zerrung des linken vorderen Kreuzbandes zugezogen, er drohte gar bis Jahresende auszufallen. Aber Petersen hat offenbar gutes Heilfleisch. „Dagur hat erst kurz vor dem Spiel entschieden, dass ich mit auflaufe“, sagte der Rechtshänder. Petar Nenadic gelang in der 16. Minute der Ausgleich zum 6:6, beide Teams agierten in einer rasanten Partie auf Augenhöhe.

Und dann kam sie, die zweite Halbzeit. Rasch lagen die Füchse zurück. Erst 11:16 (36.), dann 14:20 (43.), die Partie war entschieden. „Wir haben zu Beginn der zweiten Halbzeit ohne Kopf und ohne Emotionen gespielt, alles danach war nur noch pure Frustration“, klagte Coach Sigurdsson und war tief enttäuscht, „dass wir da nicht mehr machen, ist bitter. Wir schmeißen das Spiel dann einfach weg.“ Auch Hanning legte nach: „Die Leistung in der zweiten Halbzeit war nicht ausreichend, das war viel zu wenig.“ Die Löwen hatten mit den Füchsen in der Tat leichtes Spiel, sie brachten die Partie souverän zu Ende.

Für die Füchse gilt es nun, diese Pleite rasch aus den Köpfen zu bekommen, denn schon am Mittwoch wartet mit dem Achtelfinalspiel im DHB-Pokal eine schwere Aufgabe. Der Titelverteidiger muss bei Bundesliga-Aufsteiger HC Erlangen antreten. Man müsse sich jetzt einen guten Matchplan überlegen. „Und es ist wichtig, dass wir wieder die Freude am Handball zurückgewinnen“, sagte Hanning, der die sportliche Talfahrt prophezeit hatte. „Sie kommt nicht überraschend und trifft uns jetzt nicht wie ein Faustschlag ins Gesicht“, sagte Hanning. Auch dass die jungen Spieler wie Paul Drux und Fabian Wiede eine Schwächephase durchleben, ahnte Hanning, „weil sie im Sommer eine EM gespielt haben. Da fehlt jetzt die Frische.“

Jetzt also geht am Mittwoch zum HC Erlangen. Jener Klub, der vergangene Woche völlig überraschend die Löwen bezwungen hatte. „Aber das waren zwei verschieden Welten“, sagte Löwen-Coach Nikolaj Jacobsson, „da haben wir viel schlechter als gegen die Füchse gespielt.“ Das haben die Berliner am Sonntag schmerzlich zu spüren bekommen.