Mannschaftserfog

„Vorne steht die Null, hinten einen reinlassen“

Torwart Kraft verplaudert sich beim Sieggeheimnis von Hertha

Als das Kamera-Licht erloschen und das Mikrofon abgeschaltet war, schlug Thomas Kraft mit der Faust auf den Tisch. „Mann, jetzt rede ich mich hier um Kopf und Kragen. Das gibt’s doch nicht.“ Und noch mal rumste es auf dem Tisch. Kraft schüttelte den Kopf. Wie das manchmal so ist. Wenn man sich ganz sicher ist, was man sagen will ... Die Frage hatte gelautet, wie Herthas taktische Marschroute gegen Borussia Dortmund (1:0) ausgesehen hatte. Wie aus der Pistole geschossen kam die Antwort von Kraft: „Vorne steht die Null und hinten einen reinlassen.“

Gedankenschnell grätschte der rbb-Reporter in die nun entstehende Pause: „Das war jetzt der einzige Fehler von Ihnen an diesem Wochenende, Thomas.“ Natürlich hatte Kraft das Gegenteil gemeint: hinten sicher stehen und vorne einen reinmachen.

Kraft musste schmunzeln. Denn den wichtigeren Auftritt an diesem Wochenende, das 1:0 gegen Borussia Dortmund, hatte der Torwart fehlerlos hingelegt. Kraft war beim vierten Heimsieg von Hertha bester Mann auf dem Platz. Allein in den letzten dreißig Minuten entnervte er den Gegner mit starken Paraden gegen Ciro Immobile (66./73./85. Minute) und Jakub Blaszczykowski (68.).

Als Torwart weiß der 26-Jährige, dass seine Leistungen in der Öffentlichkeit häufig nur im Extrem wahrgenommen werden: entweder als Matchwinner oder als derjenige, der seiner Mannschaft das Spiel verloren hat. Überzeugend findet Kraft keine dieser Lesarten.

Kraft lobt die Mannschaft

Auch nicht mit Blick auf den Sieg gegen den BVB. „Nicht ich habe gewonnen. Wir waren vom Trainer sehr gut eingestellt und haben als Mannschaft gewonnen“, sagte Kraft.

Auch die Frage, ob er im Moment deshalb so stark spiele, weil sein Vertrag in Berlin zum 30. Juni ausläuft, findet er nicht passend. Das sollen andere beurteilen, sagt er. Von seinem professionellen Selbstverständnis her geht Kraft jede Partie mit dem gleichen Ehrgeiz an. Verlieren zu können, gehört nicht zu seinen Stärken. Kraft, seit Juli 2011 bei Hertha, blockte beim Thema Vertragsverlängerung ab. „Es ist bekannt, dass wir in Gesprächen sind. Wenn es etwas mitzuteilen gibt, wird das bekannt gegeben. Bitte um Verständnis, dass ich im Moment nichts dazu sagen möchte.“