Hertha BSC

Die stille Freude des Schützen

Mit Saisontreffer fünf ist Schieber endgültig in Berlin angekommen

Nach Jubel war Julian Schieber nicht zumute. Herthas Stürmer, von 2012 bis 2014 in Diensten von Borussia Dortmund, verzichtete nach seinem Siegtreffer auf überschwängliche Gesten und schlug auch nach dem Abpfiff leise Töne an. „Natürlich war das ein besonderes Spiel für mich“, sagte der 25-Jährige mit gedämpfter Stimme.

Unter der Woche habe er die Emotionen noch von sich wegschieben können – als er seine früheren Kollegen und die vielen schwarz-gelben Fans sah, hätte sich aber doch etwas gerührt in ihm. Spätestens als sein früherer Trainer Jürgen Klopp ihn am Mittelkreis mit einer innigen Umarmung begrüßte, dürfte eine gehörige Portion Nostalgie durch Schiebers Körper geschwappt sein. „Ich hatte Glück, dass Mitch Langerak ein bisschen spekuliert hat“, sagte Schieber ohne erkennbare Regung im Gesicht, „da brauchte ich nur noch einzuschieben.“ Er fühlt noch immer mit seinem ehemaligen Klub. Mitleid sei das falsche Wort, stellte er klar, die Situation des BVB finde er „einfach schade“.

Natürlich schlummerte im Inneren des Angreifers auch eine gewaltige Portion Erleichterung. Nicht wenige hatten Hertha-Coach Jos Luhukay dafür kritisiert, dass er Schieber zuletzt den Vorzug vor Star-Einkauf Salomon Kalou gegeben hatte. Die fußballerischen Qualitäten des Ivorers sind unbestritten, nach Ansicht des Trainers im Abstiegskampf jedoch weniger hilfreich als das mannschaftsdienlichere Spiel seines Sturmkonkurrenten.

Schieber gewinnt mehr Zweikämpfe – und schießt nun auch noch die wichtigen Tore. Schon in Mönchengladbach (1:3) hatte er mit seinem Ausgleichstreffer zum 1:1 für neue Hoffnung gesorgt. Gegen Dortmund reichte sein Geistesblitz in der 40. Minute nun sogar zum Sieg. Und: Mit seinem fünften Saisontreffer ist Schieber mit Kalou gleichgezogen.

Bei aller Sympathie für die alte Liebe aus Dortmund – Schieber scheint endgültig angekommen in der Hauptstadt. Mit seinem Tor hat er seinem aktuellen Verein im Bundesliga-Abstiegskampf nun vorerst etwas Luft verschafft. Die drei Punkte gegen den Champions-League-Teilnehmer werden dem Selbstbewusstsein für die letzten beiden Spiele des Jahres noch mal einen Schub geben. Das dürfte für das gesamte Hertha-Team gelten – besonders aber für Julian Schieber.