Hertha BSC

Schuss ins Glück

Schieber gelingt bei Herthas Sieg gegen seinen Ex-Klub Dortmund das Tor des Tages

Die Mitspieler wussten, bei wem sie sich zu bedanken hatten: Hajime Hosogai war der erste Gratulant bei Thomas Kraft, Johannes van den Bergh der zweite, dann herzten Fabin Lustenberger und Jens Hegeler den Torwart von Hertha BSC. Mit einer bärenstarken kämpferischen Leistung und einem überragenden Kraft fuhr Hertha ein 1:0 (1:0) gegen Borussia Dortmund ein. Das Tor des Tages vor 75.254 Zuschauern im Olympiastadion hatte Julian Schieber erzielt (40. Minute).

Wie wichtig dieser Nachmittag für Hertha war, hatte sich bereits vor dem Anpfiff angedeutet. In der Ostkurve hing erstmals ein Transparent, auf dem der Trainer kritisiert wurde. „Luhukay: Wo ist das System? Wie lautet das Konzept?“ hieß es dort. Doch mit dem fünften Saisonsieg hat der Hauptstadt-Klub als derzeit Tabellen-13. den Abstand auf die Abstiegszone auf drei Punkte vergrößert. „Das war unser bestes Spiel in dieser Saison“, sagte Mittelfeldspieler Per Skjelbred.

Erstmals seit Ende September stand Ronny in der Startelf, auch Peter Niemeyer kehrte zurück. Bei Hertha standen die Zeichen mit der Doppel-Sechs Niemeyer und Skjelbred auf bedingungslosem Einsatz. Die oberste Devise bei Hertha lautete: Hinten nichts zulassen. Es sollte ein Ende haben mit den vielen relativ leichten Gegentoren, die die Berliner in dieser Saison regelmäßig kassieren. Entsprechend dirigierte Niemeyer die Kollegen. Ständig winkte er, die Abstände möglichst gering zu halten. Mit Erfolg: Dortmund, das das Achtelfinale der Champions League (Auslosung am Montag) als Gruppensieger erreicht hat, hatte in der ersten Hälfte nicht einen einzigen Schuss auf das Hertha-Tor zu verzeichnen.

Erfolgreiche Nadelstiche

Pierre-Emerick Aubameyang konnte seinen Speed nicht einsetzen, Spielmacher Henrikh Mkhitaryan hatte permanent einen Herthaner vor sich. Auch Ilkay Gündogan konnte sich kaum durchsetzen. Hertha verlegte sich auf die Nadelstich-Taktik. Vor allem Roy Beerens auf der rechten Seite beschäftigte Marcel Schmelzer mehr, als dem BVB-Verteidiger lieb sein konnte.

Die Hausherren ließen sich nicht aus ihrer defensiven Grundordnung heraus locken, sie warteten auf die eine Chance. Und sie kam. Skjelbred eroberte ebenso energisch wie dynamisch kurz hinter der Mittellinie den Ball von Jakub Blaszczykowski und spielte ihn sofort weiter auf Schieber. Der Stoßstürmer ließ erst Mats Hummels ins Leere grätschen, tanzte mit einer Bewegung Sebastian Kehl und Borussen-Torwart Mitchell Langerak aus und vollendete hoch ins rechte Eck, 1:0 (40.).

Der fünfte Saisontreffer von Schieber war sein wertvollster. Denn anders als bei den vorangegangenen Toren sicherte dieser den Sieg. Unmittelbar vor der Pause brachte Beerens den Ball nicht an Langerak vorbei.

Im zweiten Durchgang konnte Kraft dann nachholen, was er vor der Pause nicht zeigen konnte. Dortmund, nun mit dem eingewechselten Adrian Ramos im Sturm, erarbeitete sich jetzt diverse Chancen. So bekam Kraft noch beide Fäuste an den Ball, als Ciro Immobile aus vollem Lauf abzog (66.). Kraft holte mit dem Kopf voran den Ball Blaszczykowski vom Fuß (68.). Lenkte einen Hummels-Kopfball nach einer BVB-Ecke über die Latte (73.). Und drehte einen weiteren Kopfball von Immobile mit den Fingerspitzen um den Pfosten (85.).

Hertha verteidigte wie ein Boxer, der zwar in den Seilen hängt, aber immer noch seine Doppeldeckung hoch bekommt. Hertha-Trainer Luhukay hatte längst auf komplette Defensive gesetzt und Hosogai, Johannes van den Bergh und Fabian Lustenberger eingewechselt. Als Borussen-Torjäger Immobile in der Schlussminute einen weiteren Ball neben das Hertha-Tor setzte, war klar: Hier würde nichts mehr passieren.

Bei den Gästen wird ein anderer Umgang mit dem Trainer gepflegt. Auch wenn beim BVB als 16. (!) die Kluft zwischen Anspruch und Realität noch viel größer ist als bei Hertha, beorderten die Dortmunder Fans den Trainer vor die Kurve. Etwas verlegen erschien Klopp dort – und wurde ungeachtet der neunten Saisonniederlage mit „Jürgen, du bist der beste Mann“-Ovationen bedacht.

Schlägerei auf dem S-Bahnhof

Nach dem Spiel äußerte sich Luhukay zu den Fan-Plakaten. „Ich bin seit mittlerweile 21 Jahren in Deutschland tätig, meine Mannschaften haben immer einen erkennbaren Fußball gespielt“, sagte der Hertha-Coach. Zugleich betonte er aber, wie „unglaublich wichtig“ es ihm ist, dass Mannschaft und Fans eine Einheit bilden, wie gegen Dortmund.

Leider gab es ein wenig erfreuliches Nachspiel. Auf dem S-Bahnhof Heerstraße kam es zu einer Schlägerei zwischen rivalisierenden Fangruppen, in deren Verlauf auch ein Zug beschädigt wurde. Nachfolgende Züge mussten auf offener Strecke stehen bleiben. Auch auf dem Hauptbahnhof soll es zu Schlägereien zwischen Hertha- und Dortmund-Fans gekommen sein. Vor dem Spiel hatte die Bundespolizei bereits 124 Personen aus Dortmund festgesetzt, darunter 25 Männer, die als „Gewalttäter Sport“ registriert sein sollen.