Eishockey

Stabilitätstest für die Eisbären

Die Berliner müssen ihren Aufschwung gegen Hamburg bestätigen

Die Skepsis mag er noch nicht ablegen. Es hat ihn misstrauisch gegenüber seiner Mannschaft gemacht, was in den vergangenen Wochen passiert ist. Deshalb blieb Trainer Jeff Tomlinson auch nach dem zweiten Sieg seiner Mannschaft hintereinander ganz sachlich, wirkte fast schon unzufrieden. Über das erste Drittel bei den Schwenninger Wild Wings wollte Tomlinson gar nicht mehr reden. Zu schlecht. Immerhin gab es noch zwei Drittel mehr, in denen die Eisbären zu einem 4:2 kamen.

Bei den Spielern herrschte einsichtige Zustimmung. „Wir haben nicht überzeugend gespielt, gerade im ersten Drittel hatten wir unsere Probleme, haben uns dann aber gesteigert“, sagte Verteidiger Jens Baxmann. Im Kopf und auf den Beinen präsentierten sich die Berliner schneller, nachdem sie zunächst in Rückstand geraten waren. Aber gerade die anfängliche Lethargie ist es, die Tomlinson so zurückhaltend reagieren lässt.

So hatten die Berliner auch schon zuvor in Nürnberg (3:1) gespielt, sich aber dennoch durchgesetzt. Insofern hat sich etwas bei den Eisbären verändert, vorher sahen sie sich spielerisch meist besser, hatten aber etwas Pech. Nun spielen sie schlechter, doch das nötige Glück stellt sich ein. Ideal wäre es, ordentlich zu spielen und trotzdem zu gewinnen. Da das bislang nicht klappt, sagt Jeff Tomlinson sehr bestimmt: „Der Knoten ist noch nicht geplatzt.“

Neben der betonten Sachlichkeit steckt hinter den Worten des Trainers die Absicht, die Spannung der Spieler hoch zu halten. Die war ihm nach Siegen zuletzt zu stark abgefallen. Tomlinson schreckt daher auch nicht mehr davor zurück, vermeintliche Topspieler länger auf der Bank sitzen zu lassen. Verteidiger Casey Borer hatte bereits eine ganze Partie lang zuschauen müssen, in Nürnberg traf es im letzten Drittel die Stürmer Travis Mulock und Antti Miettinen. Beide zeigten in Schwenningen eine Reaktion, Miettinen erzielte ein Tor, Mulock bereitete eines vor. Auch das Überzahlspiel funktionierte mit zwei Treffern wieder besser als zuvor.

Doch die Schwarzwälder sind eben nur Vorletzter der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Am Sonntag empfangen die Berliner die Hamburg Freezers (14.30 Uhr, O2 World). Die rangieren auf Platz vier, also dort, wo die Eisbären hinwollen. Damit wird die Partie gegen die Hanseaten zu einem sehr guten Test, der zeigen sollte, wie weit die Berliner tatsächlich sind. Mit Stabilität in den Leistungen konnte der Rekordmeister bislang ja nicht glänzen. Ein weiterer Sieg jedenfalls würde die Lage des Klubs deutlich verbessern, aktuell beträgt der Abstand auf die Hamburg Freezers fünf Zähler. Könnte der verringert werden, dürfte sich der Trainer wohl auch wieder zu ein paar lobenden Worten gegenüber seinem Team hinreißen lassen.