Basketball

Alba genießt seinen Siegeszug durch Europa

Jetzt wollen die Berliner auch noch Gruppendritter werden

Sogar aus den USA kamen Glückwünsche. „Top 16! Ich bin stolz auf meine Jungs“, twitterte Reggie Redding, der wegen eines Trauerfalls in seiner Familie heimgeflogen war und nicht am 71:65 (35:27)-Sieg Alba Berlins beim französischen Meister CSP Limoges teilhaben konnte. Aber in der Runde der besten 16 Basketball-Klubs Europas wird der 26-Jährige sicher wieder mitspielen. Dafür hat sich der Bundesliga-Tabellenführer jetzt schon qualifiziert; die letzte Partie am Freitag (20 Uhr, Schmeling-Halle) gegen Cedevita Zagreb entscheidet darüber, ob die Berliner als Dritter oder Vierter ihrer Vorrundengruppe weiterkommen.

Albas Verantwortliche sind stolz auf den Erfolg, aber auch auf die Konstanz, mit der ihr Verein in Europa auftritt. Seit 2008/2009 kamen die Berliner jedes Mal mindestens in die Runde der besten 16 Teams, egal, ob sie in der Euroleague (dreimal) oder im zweithöchsten Wettbewerb Eurocup (viermal) starteten. Gerade diesmal hatten viele nicht mit einem solchen Abschneiden gerechnet. „Das ist überragend“, sagt Geschäftsführer Marco Baldi, „wir dürfen nicht vergessen, wer wir sind.“ Nämlich ein auf diesem Niveau unerfahrenes Team, mit einem niedrigen Gehaltsbudget im Verhältnis zu Klubs wie Real Madrid, ZSKA Moskau, Panathinaikos Athen – oder Bayern München, das kläglich gescheitert ist. Bei diesen Gegnern gibt es Spieler, die ihr Basketball-Leben lang fast in jedem Jahr in der Euroleague unterwegs waren. Bei Alba haben nur Marko Banic und Leon Radosevic (flüchtige) Erfahrung damit.

Gepokert wird nicht

Wird mit Blick auf die möglichen Konkurrenten im Top 16 nun vielleicht gepokert, ob es klüger ist, nicht als Dritter in die nächste Runde zu ziehen? „Wer kalkuliert, verliert“, weist Baldi das zurück, „vor allem killt das die Mentalität. Und gerade dieses unbedingte Gewinnenwollen ist ja unsere Stärke.“ Sportdirektor Mithat Demirel jubiliert sogar: „Nun geht’s erst richtig los!“ Um gleich darauf weitere Erfolgserwartungen wie das Erreichen des Viertelfinales zu dämpfen. „Ziel waren die Top 16, und das war schon sehr offensiv formuliert“, sagt er.

In jedem Fall hat die Alba-Mannschaft viel Selbstvertrauen gewonnen – trotz eines Starts mit drei Niederlagen. „Ein paar Spiele haben wir gebraucht, unseren Respekt abzulegen“, so Demirel, „aber danach haben wir uns sogar bei einem Konkurrenten wie Maccabi Tel Aviv eine Siegchance erarbeitet.“ Die Israelis sind Titelverteidiger in diesem Wettbewerb. Das spricht für Albas positive Entwicklung.

Vor der nächsten europäischen Aufgabe jedoch wartet am Montag erst einmal die Bundesliga-Prüfung bei den Tigers Tübingen. Die Berliner kamen nach dem Sieg in Limoges nicht nach Hause, sondern reisten per Bus und Flugzeug zum Trainieren in Süddeutschland. Von Redding wird es dann keinen Tweet mehr geben. Er wird am Sonntag zurück erwartet.