Radsport

„Lasst uns mit dem Schmierentheater aufhören“

Harte Kritik am Radverband nach Lizenzerteilung an Astana

Der Radsport-Weltverband UCI kapituliert im Kampf gegen Doping zumindest zwischenzeitlich vor den eigenen Regeln: Trotz fortgesetzter Betrügereien des in Kasachstan staatlich alimentierten Astana-Teams mit dem einschlägig vorbelasteten Teamchef Alexander Winokurow erteilte der Weltverband die Lizenz für die kommende Saison. „Astana fährt ganz klar auf Bewährung, wir werden die Situation genau verfolgen“, betonte UCI-Boss Brian Cookson.

Dabei war die Bewertung der Lizenz-Kommission für das Team des Tour-Siegers Vincenzo Nibali (Italien) deutlich ausgefallen. „Das Team hat im Hinblick auf Organisation des Kampfes gegen Doping und das betreuende Personal seine Verpflichtungen nicht eingehalten“, hieß es in der Urteilsbegründung. Härtere Maßnahmen als jene, dass sich Astana künftig in nicht näher dargelegtem Maße der Kontrolle des sportwissenschaftlichen Instituts der Universität Lausanne unterwerfen muss (erst ab 2017 für alle Teams Pflicht), gab das UCI-Regelwerk anegblich nicht her, zumindest nicht ohne großes Prozessrisiko. Bei Verstößen gegen finanzielle Vorgaben hingegen war eine Lizenzverweigerung problemlos möglich – der französischen Equipe Europcar wurde aus eben diesem Grund die WorldTour-Startberechtigung entzogen.

Astana und Winokurow argumentierten, dass das Nachwuchs-Team – in dem es drei der fünf Dopingfälle in diesem Jahr gab – als Team für sich zu betrachten und mittlerweile auch zurückgezogen worden sei. Zudem berief sich Astana auf den Passus, dass laufende Ermittlungen bei der Lizenz-Erteilung nicht berücksichtigt werden dürfen. Aber schon bald dürften der UCI die Ermittlungsberichte der Staatsanwaltschaft Padua vorliegen. Der 550-seitige Report soll Namen von 38 Radprofis enthalten, die in den Jahren 2010 und 2011 angeblich engen Kontakt zum italienischen Dopingarzt Michele Ferrari hatten, 17 davon arbeiteten bei Astana. Rund um Ferrari soll eine 30-köpfige Bande agiert haben, deren Mitgliedern jetzt Steuerbetrug und Geldwäsche vorgeworfen wird.

Erst einmal aber erntet das UCI-Urteil Kritik. „Wie lächerlich kann dieser Sport sein. Genug ist genug“, twitterte der Brite Peter Kenaugh aus dem Sky-Team. „Der Radsport hat keine Chance – Lasst uns mit diesem Schmierentheater aufhören“, twitterte Scott Mercier, einst Kollege von Lance Armstrong und später Hauptbelastungszeuge gegen den US-Star.