Fußball

Gleichauf in fremden Welten

Gegen Dortmund fordert Herthas Trainer Leidenschaft und Konzentration: „Sonst kann es brutal für uns werden“

Die Haare waren noch nass vom Regen, aber das durfte jetzt nicht im Wege stehen. Jos Luhukay trat am Donnerstag im Trainingsanzug in Herthas Medienraum, federte auf das Rednerpult und lehnte sich bei seinen Ausführungen zum anstehenden Spiel gegen Borussia Dortmund am Sonnabend (15.30 Uhr) nach vorn. Eben erst hatte der Berliner Cheftrainer die letzten frischen Eindrücke von seiner Mannschaft gewonnen. Das Geheimtraining hielt er dieses Mal unüblicherweise vor der Pressekonferenz ab.

Vielleicht lag es daran, was der Niederländer zuletzt im Training von seinem Team zu sehen bekam, dass Luhukay vornehmlich über die Eigenschaften sprechen wollte, von denen er glaubt, dass sie gegen den Vorjahreszweiten unerlässlich sein werden: Leidenschaft und Konzentration. „Wir wollen von uns das Maximale abrufen. Wir wollen kämpfen und mit Leidenschaft diese Spiel gewinnen“, sagte Luhukay und bekam Unterstützung von seinem Manager: „Für uns wird es darum gehen, einen großen Kampf zu bieten“, sagte Michael Preetz. Die Mannschaft müsse „kollektiv gegen den Ball verteidigen, sich gegenseitig helfen und bei eigenem Ballbesitz mehr Sicherheit und Mut aufbringen“, sagte Luhukay. Zuletzt bemängelte der 51-Jährige die fehlende Ruhe im Spielaufbau. „Da geht es um Genauigkeit, weil wir uns keine Ballverluste leisten können.“

Anfälligkeit bei Standards

Weil sein Team das aber zuletzt beim 2:3 gegen Borussia Mönchengladbach nicht umsetzen konnte und sich zweimal auskontern ließ wie eine Schülermannschaft („Wir bekommen Gegentore, die man auf diesem Niveau einfach nicht bekommen darf“), aber auch im Training unter der Woche keine Besserung zu sehen war, schnauzte Luhukay seine Profis an und ließ sie zur Strafe Liegestütze machen. „Es geht um Konzentration. Wenn wir im Training nicht aufmerksam sind, kann das am Sonnabend für uns brutal werden“, so Luhukay.

Darunter fallen auch die vielen individuellen Fehler, die Hertha schon früh in der Saison in die Bredouille brachten und sich immer noch häufen. Schon sieben Gegentreffer kassierten die Blau-Weißen nach Standardsituationen. Hier brauche es eine höhere Aufmerksamkeit und bessere Zuteilung. Damit nicht die dritte Niederlage in Folge droht, setzt der Trainer also auf Arbeit einerseits und eine bessere Struktur im eigenen Spiel andererseits.

Dass es ansonsten vor mehr als 76.000 Zuschauern im Olympiastadion fatale Folgen für Hertha haben könnte, glaubt Luhukay, weil er Borussia Dortmund trotz der ebenfalls nur 14 erspielten Punkte für eines der besten Teams der Liga hält. „Wenn man ihnen die Qualität absprechen würde, wäre das Wahnsinn“, sagte er. Beim bisher letzten Aufeinandertreffen gab es ein 0:4 am 34. Spieltag der vergangenen Saison.

Das aktuelle Tabellenbild verzerrt die Kräfteverhältnisse: Hertha gegen Dortmund ist das Duell des 15. gegen den 14. Beide Klubs sind gleichauf, aber in unterschiedlichen Welten unterwegs. Während die Berliner Tendenz nach vier Niederlagen in fünf Spielen nach unten geht, gewannen die Dortmunder zuletzt gegen Hoffenheim und zogen unter der Woche als Gruppensieger ins Achtelfinale der Champions League ein. „Sie werden nichts mit dem Abstieg zutun haben“, glaubt Luhukay. Bei seinem eigenen Klub kann er sich nach den jüngsten Eindrücken nicht mehr sicher sein. Dennoch vermeidet Luhukay weiterhin das Wort „Abstiegskampf“, ganz anders übrigens als sein Kollege Jürgen Klopp: „Gegen Hertha ist das für uns Abstiegskampf. Da wird es richtig zu Sache gehen“, sagte der Dortmunder Trainer am Donnerstag.

Hoffen auf Lustenberger

Weil Hertha nur noch einen Punkt Vorsprung auf den Relegationsplatz 16 besitzt und nach dem BVB mit Frankfurt und Hoffenheim zwei schwere Gegner bis Weihnachten warten, sagte Luhukay: „Für uns ist das Spiel gegen den BVB extrem wichtig.“ Deshalb überlegt er, seinen Vorarbeiter Fabian Lustenberger früher als erwartet einzusetzen. Der Kapitän ist nach seiner Muskelverletzung seit zwei Wochen wieder im Mannschaftstraining und eine Option für den Kader – oder sogar für die Startelf: „Ich bin froh, dass er zurück ist“, sagte Luhukay, will aber abwägen, ob er das Risiko eingehen kann, den Schweizer schon so früh wieder aufzustellen. Am Mittwoch trainierte Lustenberger nicht in der Abwehr, sondern im Mittelfeld, was eine Rückkehr zum 4-2-3-1 bedeuten könnte. Luhukay aber sagte: „Für mich geht es nicht um das System, sondern nur um die Art und Weise.“