Kämpfer

Guardiolas neuer Liebling

Sebastian Rode spielt beim FC Bayern unerwartet schnell eine wichtige Rolle

Das Tempo beim FC Bayern ist für Sebastian Rode zu hoch. Zumindest in Sachen Schafkopf. „Thomas Müller, Manuel Neuer, Claudio Pizarro und Philipp Lahm spielen auf jedem Flug und jeder Busfahrt. Die spielen nur leider so schnell, dass es für mich schwierig ist, zu folgen“, sagt der Zugang des deutschen Rekordmeisters. Er kommt aus Hessen und kennt die Regeln des Kartenspiels nicht so richtig.

Das Tempo beim FC Bayern ist für Sebastian Rode zu hoch – sagten vor der Saison viele Experten und Fans. Und bezogen das auf den Fußball. Er werde der nächste Jan Schlaudraff, hieß es – also ein Dauergast auf der Ersatzbank. Nun, nach nur fünf Monaten, sind die verfrühten Befürchtungen hinfällig. Rode ist bei den Münchnern die Überraschung der Hinrunde. Er spielt öfter und besser als erwartet und hat gute Chancen, in der letzten Gruppenpartie der Champions League gegen Moskau heute (20.45 Uhr, Sky) von Beginn an aufzulaufen. Die Bayern sind bereits für das Achtelfinale qualifiziert, der Gruppensieg ist sicher.

Beim 1:0 im Topspiel gegen Bayer Leverkusen am vergangenen Wochenende durfte Rode sich gar als Mann des Spiels fühlen: Das Tor erzielte zwar Franck Ribery, doch den vorangegangenen Eckball hatte Rode rausgeholt. Der ehemalige Nationalspieler und Sky-Experte Dietmar Hamann lobte: „Das Spiel gedreht hat für mich Sebastian Rode.“ Und Pep Guardiola sagte über den zur zweiten Halbzeit eingewechselten Mittelfeldprofi: „Rode hat uns mehr Vollgas gegeben.“ Nach dem Abpfiff nahm er Rode in der Kabine in den Arm. Guardiola: „Egal, ob eine Minute, zwei Minuten, eine Halbzeit oder ganze 90 Minuten – er ist immer gut.“ Und das, obwohl das Dasein als Einwechselspieler für Rode neu ist – bei seinem ehemaligen Klub Eintracht Frankfurt war er Stammspieler.

Der spanische Startrainer schwärmt seit Wochen von dem 24-Jährigen. Seine Trainingsleistungen seien beeindruckend. „Er ist mein favourite Player in der Mannschaft“, so Guardiola. Rode wolle sich immer verbessern, beklage sich nie und versuche stets, der Mannschaft zu helfen. „Sebastian ist ein toller Typ und ein super Spieler.“ Gegen Leverkusen zog er Rode sogar Weltmeister Bastian Schweinsteiger vor, der sich nach langer Verletzungspause derzeit zurückkämpft. Rode ist der Kämpfer unter den Künstlern im Starensemble des Tabellenführers. Zur Startelf zählte er in der Bundesliga zwar erst in zwei Spielen, Guardiola wechselte ihn zuletzt allerdings regelmäßig für mindestens die letzte halbe Stunde ein. Beim 4:0 gegen seinen ehemaligen Klub Frankfurt, den er im vergangenen Sommer ablösefrei verließ, bereitete er ein Tor vor, beim 4:0 gegen die TSG Hoffenheim eine Woche später erzielte er seinen ersten Ligatreffer für die Bayern. „Ich hatte schon viel Respekt, als ich hier am ersten Tag ankam. Aber ich habe mich schnell wohlgefühlt. Bayern ist schon eine ganz andere Hausnummer als die Eintracht. Ich weiß, dass ich mit dem Wechsel alles richtig gemacht habe“, so Rode. Die Wertschätzung des Trainers habe er von Tag eins an gespürt, die Einsatzzeiten in den vergangenen Wochen seien der beste Vertrauensbeweis. „Aber ich will mehr. Ich hoffe, in Zukunft noch mehr zu spielen und irgendwann Stammspieler zu werden.“

Und auch die Nationalelf ist ein Ziel. Bereits im Sommer hatte Rode erklärt, dass dies auch ein Grund für den Wechsel gewesen sei. Hier stehe mehr im Fokus. Bundestrainer Joachim Löw hat ihn seit Langem auf dem Zettel. Wann ruft er an? Rode: „Ich hoffe natürlich, bald. Aber ich mache mir keinen Druck. Mein Fokus liegt voll auf Bayern. “ Rodes Stärken sind seine aggressive Zweikampfführung, sein sicheres Passspiel und seine Dynamik. Sportvorstand Matthias Sammer nennt ihn „Giftzwerg“.

Sebastian Rode sagt, er fühle sich im Team mit all den Stars um ihn herum akzeptiert – auch ohne Teilnahme an den Schafkopf-Runden.