IOC

Olympische Spiele ab sofort in mehreren Ländern möglich

Unanimously approved. Einstimmig gebilligt. So gingen die Nachrichten von @iocmedia via Twitter den Montag über stakkatoartig hinaus in die Welt.

40 Empfehlungen für die olympische „Agenda 2020“ waren aus zigtausenden Vorschlägen destilliert worden. Derart flott verlief die Abstimmung am Montag, dass die Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees schon am ersten von eigentlich zwei geplanten Sessionstagen über sämtliche Punkte befinden wollte.

Ohne größeren Widerspruch hatten die 94 stimmberechtigten IOC-Mitglieder bis zum Nachmittag die Empfehlungen Punkt für Punkt durchgewunken, darunter einen eigenen TV-Kanal. Der Sender soll 490 Millionen Euro kosten und ist zunächst als digitale Plattform geplant. Augenscheinlich sehen es die Herren der Ringe wie ihr seit einem Jahr amtierender umtriebiger Präsident: „Jetzt ist die Zeit für Veränderungen“, hatte Thomas Bach, 60, zu Sessionsbeginn gerufen.

Natürlich geht es dem IOC wirtschaftlich blendend. Der im Mai mit dem US-Fernsehsender NBC geschlossene 6,3 Milliarden Euro schwere Vertrag über die Übertragungsrechte an den Spielen 2021 bis 2032 illustriert es. Und natürlich ist das IOC in der Lage, täglich drei Millionen Euro aus seinen Einnahmen in die Sportförderung weltweit zu investieren. Doch Bach sagte auch: „Der Erfolg von gestern gibt uns nur die Gelegenheit, den Wandel für morgen voranzutreiben. Nehmen wir uns der Herausforderungen hier und jetzt nicht an, werden wir von ihnen sehr bald getroffen. Wir wollen die Führer des Wandels sein – und nicht das Objekt des Wandels.“

Bach weiß, dass sein IOC eine Imagekorrektur braucht. Den traditionell klandestinen Klub der Olympier trimmt der Chef auf mehr Transparenz. So werden die umstrittenen, mitunter als „Knebelverträge“ bezeichneten „Host City“-Kontrakte zwischen IOC und der Ausrichterstadt künftig öffentlich sein. Das arg aufwendige Bewerbungsverfahren wird simpler und kostengünstiger werden, die Organisation der Spiele selbst zudem für alle nachvollziehbar so alimentiert, dass der Eindruck zerstreut wird, Olympische Spiele würden wie in Sotschi stets 50 Milliarden Euro verschlingen.

Eine interessante Änderung bringt zudem der Entschluss, künftig „die Austragung ganzer Sportarten oder einzelner Disziplinen außerhalb der Gastgeber-Stadt oder in Ausnahmefällen außerhalb des Landes zu erlauben“. Das ist im Sinne der Nachhaltigkeit und spart Geld. Südkorea beispielsweise ächzt schon jetzt unter den kolportierten 120 Millionen Euro Kosten für den Bau einer neuen Bob- und Rodelbahn für die Winterspiele 2018 in Pyeongchang. Auf der Session machte das Gerücht die Runde, die Eisbahn-Wettbewerbe könnten 900 Kilometer entfernt nach Nagano in Japan verschoben werden. Unter dem Strich steht das Bestreben, die Spiele attraktiver zu machen. Motto: Die Spiele passen sich der jeweiligen Stadt an – nicht die Ausrichterstadt den IOC-Wünschen.