Zweite Liga

Union macht aus der Not eine Jugend

Beim Zweitligisten rücken die jungen Spieler immer mehr in den Vordergrund

Es ist wohl einer der meistzitierten Aphorismen, wenn es um die Entwicklung eines Menschen geht. „Es ist das Vorrecht der Jugend, Fehler zu begehen, denn sie hat genug Zeit, sie zu korrigieren“, hatte im 19. Jahrhundert der deutsche Dichter Ernst Barlach formuliert. Nun ist die Zeitspanne, die ein Profifußballer in jungen Jahren zur Fehlerkorrektur hat, eng bemessen. Nur selten dauert sie in der ausschließlich vom Erfolg bestimmten Branche die kompletten 34 Spieltage einer Saison.

Mit Blick auf den 1. FC Union lässt sich folgendes feststellen: Der im Sommer verkündete mentale und emotionale Neustart war nicht zuletzt die Trennung von altgedienten Spielern und führte den Verein in eine sportliche Notsituation, genannt Abstiegskampf.

Wie es eben so ist, wenn jüngere, unerfahrene Spieler in den Fokus rücken und sich zunächst finden müssen zu einer neuen Mannschaft unter einem neuen Trainer. Die Mannschaft von Trainer Norbert Düwel brauchte lange für diesen Schritt. Die beiden Auftritte in Aue (2:1) und gegen Frankfurt (2:0) lassen jedoch vermuten, dass diese Findungsphase auf einem guten Weg ist, gleichwohl sie längst noch nicht abgeschlossen ist.

Union macht aus der Not eine Jugend. Die Oldies Benjamin Köhler, 34, Torwart Daniel Haas, 31, und Michel Parensen, 28, einmal ausgenommen, stand bei Anpfiff der vergangenen beiden Spiele eine Elf auf dem Platz mit einem Durchschnittsalter von 22,9 und 23,6 Jahren. Mittendrin jene Spieler, denen man schon zu Zeiten von Düwel-Vorgänger Uwe Neuhaus den Sprung zugetraut hätte, die eine echte Chance jedoch nie bekommen haben. Steven Skrzybski ist solch ein Spieler. Der 22-Jährige galt immer als Trainingsweltmeister, der in den Spielen nie das umsetzen konnte, was er versprochen hatte. Gegen Frankfurt zeigte der Stürmer Fortschritte.

„Es ist ein gutes Gefühl, wie mich die Spieler unterstützt haben“, sagte er nach seinem ersten Heimtor für Union. In den ersten Saisonpartien noch Startspieler und von Trainer Düwel deutlich gelobt, fand sich Skrzybski im Herbst in der U23 wieder. „Locker bleiben und sich nicht so sehr unter Druck setzen“, lautete sein Motto, aber „einfach war die Zeit sicherlich nicht“. Gab es Zweifel, dass es doch wieder nicht reichen könnte für das Profiteam? „Ich habe mir gesagt, die muss ich ausblenden, sonst wirkt sich das auf meine Trainingsleistungen aus“, erklärte Skrzybski. Klingt nach einem Plan, um dauerhaft bei den Profis Fuß zu fassen.

Lob gab es dafür ausgerechnet von Maximilian Thiel, der Kölner Leihgabe, selbst erst 21 Jahre jung: „Im Training gibt er immer alles, solche Leute brauchen wir.“

Neben den Torschützen des Frankfurt-Sieges sind es die Mittelfeldspieler Eroll Zejnullahu, 20, und Björn Jopek, 21, die sich von Spiel zu Spiel besser zurechtfinden. Ebenso Flügelflitzer Christopher Quiring, 24, der unter Neuhaus ebenfalls in einer Sackgasse steckte. Das Vertrauen, das ihnen der neue Trainer gibt, zahlen sie mit Leistung zurück. Noch einmal lobte Düwel den lange am Knieverletzten Jopek für seinen Auftritt in Aue: „Dort hat er ein sehr gutes Spiel abgeliefert.“

Zum Offensiv-Quartett gesellen sich mit den Innenverteidigern Toni Leistner, 24, und Roberto Puncec, 23, ebenfalls alles andere als alte Haudegen. Es spricht Bände, wenn Trainer Düwel angesichts der fünften Gelben Karte für Leistner und der anstehenden Sperre für das Spiel in Braunschweig am Sonnabend sagt: „Das ist ein herber Verlust.“