Zweitligist

Urlaub ist die beste Motivation

Union verschafft sich Polster im Abstiegskampf dank eines ungewöhnlichen Trainer-Angebots

Maximilian Thiel stand aufgeregt in den Katakomben der Alten Försterei. „Es war kein Eigentor, oder? Der Treffer wird doch für mich gewertet?“, fragte der Mittelfeldspieler des 1.FC Union in die Runde. Seine Augen suchten voller Sorge eine Bestätigung, die sie auch sogleich bekamen. Ja, sein Torschuss, den Frankfurts Hanno Balitsch noch ins eigene Tor wuchtete, geht auf sein Konto. Thiels Premierentreffer für den Berliner Fußball-Zweitligisten besiegelte den zweiten Sieg in Folge, ein 2:1 (0:0) gegen den FSV Frankfurt. Ruhig herausgespielt, voller Selbstvertrauen, einfach verdient.

Und mit einem Torschützen, der sich in den vergangenen Wochen fast nichts sehnlicher gewünscht hatte, als endlich seinen ersten Treffer für die Köpenicker Kicker zu erzielen. Am zweiten Advent war es soweit. „Auf dem Platz haben die Jungs noch gescherzt, dass ich das Tor gar nicht geschossen hätte“, sagte Thiel. Er lacht, als er von der besonderen Motivation erzählt, die er vor der Partie von Verteidiger Mario Eggimann erhalten hat: „Eggi hat gesagt, er würde mich zum Essen einladen, wenn ich treffe. Wahrscheinlich hat er gedacht, das passiert sowieso wieder nicht. Doch ich hab dann halt mal gleich getroffen.“

Die Szene belegt: Die Lockerheit bei Union ist nach den 90 Minuten gegen die Hessen zurück. Die Mannschaft von Trainer Norbert Düwel steht auf dem elften Platz, der Abstand zu den beiden Abstiegsplätzen beträgt sieben Punkte. Das lässt alle an der Alten Försterei, nicht nur die 15.802 Zuschauer am Sonntagnachmittag, durchschnaufen.

Natürlich auch den Trainer. „Wir haben einen sehr guten Plan gehabt. das meiste davon ist aufgegangen“, analysierte Düwel das Duell mit der zumindest von der Ausbeute her (15 Punkte) immer noch besten Auswärtsmannschaft der Liga. Der Coach umschreibt diesen Plan wie folgt: „Wir wollten auswärts zuhause spielen.“ Ein Kunstgriff, um zu neuer Heimstärke zurückzufinden, laut Düwel die Basis für einen erfolgreichen Abstiegskampf.

Konter erfolgreich verhindert

Dafür hatte der Trainer mit Steven Skrzybski neben Sebastian Polter einen „zweiten echten Stürmer aufgeboten, um Situationen mit Tempo lösen zu können“. Außerdem kehrte Kapitän Damir Kreilach nach seinem Doppelpack in der Vorwoche in Aue (2:1) zurück in die Startelf, Björn Jopek und Eroll Zejnullahu blieben zunächst draußen.

Die Idee dahinter: Anstatt mit spielerischer Wucht zu dokumentieren, dass man als Heimmannschaft Herr im Hause ist und dann wie zuletzt 1860 München in die Konter läuft, holten sich die Berliner mit Ballbesitz und überlegten Aktionen Selbstvertrauen. Zugleich beraubten sie den FSV seiner besten Waffe. „Union hat mehr Zweikampfhärte gezeigt, mehr Griffigkeit“, sagte Frankfurts Trainer Benno Möhlmann anerkennend.

Die Folge war kein Spiel zum Zungeschnalzen, doch ein Auftritt, der von Minute zu Minute besser wurde. Mit guten Möglichkeiten, die Union in dieser Saison mit fast schon ernüchternder Konstanz nicht zu nutzen weiß. Christopher Trimmels Kopfball mit Polter-Nachschuss – über das Tor (20.). Polter allein vor FSV-Torwart Patrick Klandt – Eckball (26.). Skrzybski auf dem Weg in den Strafraum – im letzten Moment von Verteidiger Manuel Konrad gestoppt (29.). Noch einmal Skrzybski aus 18 Metern – wieder nur ins Fangnetz hinter dem Tor (37.).

Es bleibt dabei, Union schießt seine Tore fast ausschließlich in der zweiten Halbzeit. So auch gegen den FSV Frankfurt mit den Treffern 16 und 17 von nun insgesamt 19. Dabei sorgte nicht nur Maximilian Thiel für eine Premiere, sondern auch Skrzybski. „Das ist ein unglaubliches Erlebnis, endlich hat es auch mal zuhause geklappt“, sagte der Angreifer. Zwei Tore hatte der 22-Jährige bislang für Union erzielt, beide jedoch auf fremden Plätzen. In der 47. Minute gegen Frankfurt war der Bann gebrochen. Kreilach hatte den Ball erobert und Polter mit einem langen Pass auf die Reise geschickt. Die Mainzer Leihgabe schüttelte Balitsch ab bei seinem Sprint in den Strafraum, wo er in der Mitte Skrzybski anspielte. Mit einem Schuss aus der Drehung düpierte Unions Eigengewächs erst Verteidiger Tom Beugelsdijk, dann Klandt im Tor.

Gegentreffer in der Nachspielzeit

Union hatte das Spiel nun sicher im Griff, und mit Thiels 2:0 nach schönem Zuspiel von Skrzybski (71.) auch den Sieg. Daran sollte auch der Gegentreffer in der Nachspielzeit durch den eingewechselten Edmond Kapllani nichts mehr ändern. „Das Gegentor ist dann auch egal“, frotzelte Thiel, „sollen sie doch feiern.“ Dass selbst der erste FSV-Treffer überhaupt im sechsten Auftritt an der Alten Försterei bei den Hessen keine Freude aufkommen lassen wollte, ist nachvollziehbar.

Bei Union geht man nun selbstbewusster in die letzte Spielwoche des Jahres mit den Partien in Braunschweig (13.12.), gegen Karlsruhe (16.12.) und in Düsseldorf (19.12.). Und die Spieler hoffen auf reiche Beute, denn je mehr Punkte bis zur Winterpause eingefahren werden, desto mehr Urlaub winkt den Profis. „Wir haben einen solchen Deal getroffen“, bestätigte Düwel.