Bestleistungen

Schwimm-WM: Woher kommt die neue Weltrekordflut?

In Katar fallen 23 Bestmarken, Lagen-Gold für Markus Deibler

Ungläubig starrte Alia Atkinson, 25, auf die Anzeigetafel. „Ich?“, fragte die Schwimmerin aus Jamaika. Die Eins hinter ihrem Namen bestätigte: Die Olympiavierte hatte bei der Kurzbahn-WM in Doha gerade Sportgeschichte geschrieben – als erste dunkelhäutige Schwimm-Weltmeisterin. „Ich konnte es nicht glauben“, gab Atkinson nach ihrem Sieg über 100 Meter Brust in 1:02,36 Minuten vor der Olympiasiegerin Ruta Meilutyte zu. Dabei stellte sie auch den Weltrekord der Litauerin ein. Nun hofft Atkinson auf Nachahmer: „Hoffentlich steigt die Popularität in Jamaika und der Karibik, und wir sehen einen Aufschwung.“

In Doha fielen noch viele andere Weltrekorde, insgesamt 23 – 2012 waren es bei der WM in Istanbul nur zwei gewesen. In Zeiten erschreckender Dopingenthüllungen macht das stutzig. Denn nach dem Verbot der Hightech-Anzüge Ende 2009 hielten Experten die bestehenden Rekorde für lange unerreichbar. Auch wenn sich die Athleten dank nun schräger Startblöcke inzwischen kraftvoller ins Wasser katapultieren können und Regeländerungen bei Wenden und den Unterwasserphasen bessere Zeiten ermöglichen, löst diese Rekordflut ein ungutes Gefühl aus.

Bronze für Dorothea Brandt

Gegen auftrumpfende Ungarn, Niederländer oder Amerikaner hatten deutsche Starter lange keine Chance, bis Markus Deibler am letzten Wettkampftag über die (nicht olympischen) 100 Meter Lagen gewann, mit Weltrekord (50,66 Sekunden). Deibler blieb fünf Hundertstel unter der Bestmarke von Ryan Lochte (USA), verbesserte den deutschen Rekord um 0,8 Sekunden. „Damit hatte ich nie gerechnet. Ein geiler Erfolg“, jubelte der Hamburger. Dazu stehen Silber durch Marco Koch (200 Meter Brust) sowie zweimal Bronze für Dorothea Brandt (50 Meter Freistil) und Franziska Hentke (200 Meter Schmetterling) in der Bilanz des Deutschen Schwimmverbandes. „Das Niveau der WM war sehr, sehr hoch. Der Schwimmsport in der Welt hat wieder einen rasanten Schritt vorwärts gemacht, aber wir holen langsam auf“, sagte Bundestrainer Henning Lambertz.