Eishockey

Eisbären im falschen Film

Berliner unterliegen Mannheim mit 0:2. Dass die Niederlage nicht höher ausfällt, verdanken sie ihrem Torhüter Vehanen

Episch wurde es diesmal nicht, dafür aber lyrisch. Ein Gedicht vom Wackeldackel trug Stadionsprecher Uwe Schumann vor, als die Spieler des EHC Eisbären und der Adler Mannheim in der ersten Pause Kräfte sammelten für den Rest der Partie. Zufällig geschah der außergewöhnliche Ausflug in die Welt der Reime – und es reimte sich, dass sich die Balken bogen – nicht. Der Wackeldackel musste quasi als Ersatz für den Wackelkopf herhalten, über den wohl noch keiner ein Gedicht verfasst hat. Es war schließlich Wackelkopftag bei den Eisbären. So konnten die meisten der 11.460 Zuschauer wenigstens etwas mit nach Hause nehmen: Nicht das Gefühl des Sieges, denn die Berliner unterlagen 0:2 (0:0, 0:1, 0:1), aber dafür eine Wackelkopf-Figur.

6000 davon verschenkte der Rekordmeister der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) am Sonntag. Es war eine Aktion für die Eisbären-Fans, die sich derzeit sonst mit sportlicher Magerkost begnügen müssen. Ihren Ursprung haben die Figuren in Nordamerika, Sportidole werden dort seit den 1960er Jahren in dieser speziellen Form unter das Volk gebracht. Für ihre erste Auflage eines solchen Wackelkopfs haben sich die Eisbären ihr langjähriges Gesicht und Markenzeichen ausgesucht, den seit zwei Jahren nicht mehr aktiven Sven Felski.

Adler haben den EHC im Griff

Vom aktuellen EHC-Stürmer Marcel Noebels gibt es so einen Wackelkopf in Nordamerika, dort verbrachte er bislang die meiste Zeit seiner Karriere. Nach Berlin ist der 22-Jährige zu Saisonbeginn gekommen, um mit den Eisbären große Ziele anzupacken. Wie schwer das wird, mussten Noebels und Kollegen gegen die Adler erkennen. Neben München bestimmen die Kurpfälzer derzeit das Geschehen in der DEL.

Und ohne größere Probleme bestimmten sie auch das Geschehen auf dem Eis in der O2 World. „Ich habe seit Langem keine Mannschaft gesehen, die so gut im neutralen Drittel steht. Da ist es schwer, hinter die Verteidiger zu kommen“, sagte Noebels. Das führte letztlich dazu, dass aus dem Doppel-Heimspiel-Wochenende der Berliner doppelt nichts wurde. Am Freitag hatte der EHC schon gegen die Kölner Haie 2:3 nach Penaltyschießen verloren, nahm da aber wenigstens noch einen Punkt mit.

Trotz der unbefriedigenden Lage der Berliner sind sie dennoch fast immer dazu fähig, daheim das Spiel zu machen. Gegen die Adler, den Tabellenzweiten, ergab sich schnell ein anderes Bild. Mannheim ergriff sofort die Initiative, spielte schnell, gradlinig und mit viel Zug zum Tor. Wenn die Eisbären es mal schafften, ins Drittel der Gäste einzudringen, präsentierten sich die Adler sehr gut geordnet und überaus robust im Abräumen. „Meine Mannschaft hat lange nicht mehr so kompakt gespielt“, sagte Adler-Trainer Geoff Ward. Dennis Endras im Tor der Mannheimer musste nicht viel tun.

Für Petri Vehanen auf der anderen Seite gestaltete sich der Abend wesentlich aufregender. Während seine Vorderleute oft Schwierigkeiten damit hatten, den Puck nach Pässen zu behaupten, weil der Gegner ihnen nur wenig Raum gewährte, musste der Finne im Minutentakt mit akrobatischen Höchstleistungen aufwarten. Als Matthias Plachta nach einem Bully allein vor ihm stand, konnte Vehanen nicht mehr schnell genug abwehren (25.). Es war das einzige Mal, dass der Berliner Goalie machtlos war.

Zwar bemühten sich die Berliner, besser in die Partie zu kommen. Doch irgendwann sah es so aus, als könnten sie nur noch reagieren. Oder viel mehr hinterherlaufen. „Wir haben alles reingelegt, was wir hatten“, sagte Noebels. Es war jedoch allein das Verdienst des grandiosen Torhüters, dass das Spiel wenigstens vom Resultat her eng blieb. Optisch war es eine ganz klare Angelegenheit. „Wir sind nicht durchgekommen. Mannheim war lange nicht so gut wie diesmal, wir haben den falschen Tag erwischt“, fand EHC-Trainer Jeff Tomlinson, dessen Team zum ersten Mal in der Saison keinen einzigen Treffer erzielte. Seine Spieler wirkten zeitweise wie im falschen Film.

Rankel trifft nur die Latte

Lediglich Kapitän André Rankel sorgte mit einem Schuss an die Latte kurz für Aufregung (54.). Letztlich aber waren die Berliner auch mit dem 0:2, das Jon Rheault erzielte, als Vehanen für einen sechsten Feldspieler aus dem Tor gegangen war, noch gut bedient (60.). „Mannheim hat verdient gewonnen“, sagte Rankel, „sie haben sehr viel Druck gemacht.“ Er bemängelte vor allem, dass zumeist nicht aggressiv genug gegen den Puck gearbeitet worden ist.

Weitergebracht hat die ständige Fehleranalyse der Eisbären zuletzt nicht. Von den zurückliegenden sechs Spielen wurden nur zwei gewonnen – und die jeweils nicht mit drei Punkten. „Es ist nicht leicht derzeit“, sagte Noebels, „zu Hause zu verlieren, tut da noch mehr weh. Wir müssen jetzt als Mannschaft noch mehr zusammenrücken und Charakter zeigen.“ Statt gemäß ihrer Ambitionen aufzutreten, liefern sich die Eisbären ein Duell mit Nürnberg um Platz neun und zehn. Am Mittwoch sogar direkt, da müssen die Berliner nach Franken reisen. Allerdings stellt Noebels klar: „Wenn wir mit Platz zehn zufrieden wären, müssten wir uns ernsthaft überlegen, ob wir nicht für einen anderen Verein spielen sollten.“

Wer derweil Gefallen fand an der Wackelkopf-Figur, der kommt demnächst erneut auf seine Kosten. In zwei Wochen wird wieder eine verschenkt, modelliert nach einem anderen ehemaligen EHC-Profi, aber sicher nicht noch einmal lyrisch garniert. Es ist jedoch davon auszugehen, dass den Fans Punkte deutlich lieber wären, als irgendwann ein ganzes Regal voller wackelnder Erinnerungen an bessere Zeiten zu haben.