Turnier

Handball-EM: Grundschullehrerin soll Deutschland zum Titel führen

Die größten Fans von Kerstin Wohlbold, 30, sitzen in einem Erfurter Klassenzimmer.

Die Drittklässler der Grundschule „Astrid Lindgren“ fiebern mit, wenn am Montag ihre Klassenlehrerin mit dem deutschen Nationalteam in die Handball-EM in Kroatien startet, mit dem Spiel gegen die Niederlande (18 Uhr, Sport1). „Meine Kinder sind mächtig stolz auf das, was ich mache, aber auch ein bisschen traurig, dass ich jetzt weg bin. Es ist mir schwergefallen zu gehen, als wir uns verabschiedet haben“, erzählte die Spielmacherin vom Deutschen Meister Thüringer HC.

Mit großer Vorsicht hat sie die letzte Etappe vor der EM zurückgelegt. Bloß nicht wieder verletzen, lautete die Devise. Denn der Kreuzbandriss vor Jahresfrist unmittelbar vor der WM ist zwar längst bestens verheilt, aber nicht vergessen. „Ich habe keine Angst, noch mal einen Kreuzbandriss zu bekommen. Aber ich wollte nicht kurz vor der EM ausfallen. Ich freue mich auf die EM“, sagte Wohlbold. Bei den abschließenden Testspielen gegen Rumänien absolvierte sie nur Kurzeinsätze. Denn die 30-Jährige hatte bereits eine kräftezehrende Saison mit Spielen in der Bundesliga, im Pokal und nicht zuletzt in der Champions League hinter sich. „Es geht mir körperlich gut. Ich war nur ein bisschen müde von den letzten Wochen. Mein Körper brauchte eine Pause. Deswegen habe ich mir eine Auszeit genommen“, begründete Wohlbold.

Mindestens Dritter muss die deutsche Mannschaft nach den Gruppenspielen gegen Kroatien (Mittwoch) und Schweden (Freitag) sein, um die Hauptrunde in Zagreb zu erreichen. Die Halbfinals und Platzierungsspiele finden dann in Ungarns Hauptstadt Budapest statt.

Viel wird wohl auch davon abhängen, ab wann WM-Torschützenkönigin Susann Müller mitspielen kann. Wegen eines Fingerbruchs fällt sie zumindest gegen die Niederlande aus. „Wir werden uns weiter alle Optionen offenhalten und hoffen auf Fortschritte“, sagte Bundestrainer Heine Jensen. Vorsichtshalber hat der Däne 17 Spielerinnen mitgenommen (darunter auch Füchse-Zugang Laura Steinbach), von denen er 16 melden kann. Verbandspräsident Bernhard Bauer glaubt offenbar fest an die Endrunde: „Wenn die Mannschaft so spielt wie sie spielen kann, wird sie um eine Medaille mitspielen.“ Das würde sicher auch die Erfurter Drittklässler glücklich machen.