Erfolg

Augsburg bekommt Angst vor Europa

Aber erst einmal geht das Fußball-Märchen mit dem Spitzenspiel gegen Bayern weiter

Die wundersame Entwicklung des FC Augsburg steuert ihrem vorläufigen Höhepunkt entgegen. Aber wenn jemand prophezeit hätte, dass das Nachbarschaftsduell des 15. Spieltags am Sonnabend zum Topspiel zwischen dem Nicht-mehr-Underdog und dem großen FC Bayern wird – er wäre der maßlosen Übertreibung bezichtigt worden.

Trainer Markus Weinzierl wollte das Lächeln gar nicht mehr vergehen. Nach dem Vereinsrekord des vierten Erstligaerfolgs in Serie, dem 2:1 (0:1) beim 1. FC Köln, reckte er die Faust in die kalte Luft. „Wenn’s läuft, dann läuft’s“, sagte er. Die Münchner sind gewarnt. „Es spielt der Erste gegen den Dritten. Wir werden mit großem Respekt nach Augsburg gehen“, kündigte Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge an. „Wir haben ja schon bewiesen, dass wir die Bayern ärgern können“, sagte Tobias Werner und erinnerte an den 5. April, an dem der FCA den – zu dem Zeitpunkt allerdings bereits als Meister feststehenden Bayern – beim 1:0 die erste Liga-Niederlage nach 53 Spielen beibrachte.

Die Augsburger Profis feierten mit den Fans. Gemeinsam hüpften sie wie kleine Kinder, denen die tanzende „Augsburger Puppenkiste“ so richtig Spaß macht. Da hoben sie ab – in der Realität des Fußballs tut das keiner. „Das ist eine überragende Momentaufnahme. Und jetzt haben wir ein überragendes Spitzenspiel“, kommentierte der defensive Mittelfeldmann Daniel Baier, sagte aber auch: „Wir halten den Ball flach.“

Doch wer so erfolgreich agiert wie die Weinzierl-Auswahl, müsste selbst mit allerhöchstem Respekt beäugt werden. Der Rekordmeister aber sei „haushoher Favorit“, ließ Weinzierl wissen, ehe er ergänzte: „Wir haben keine Angst und lassen uns keine Angst machen.“ Wird es gar ein Spiel um mehr? Um die Meisterschaft? „Ja, genau“, witzelte Torschütze Nikola Djurdjic. Und worin besteht das Erfolgsgeheimnis? Der Serbe wusste die Antwort sofort: „Wir haben keinen Superstar in der Mannschaft, sondern kämpfen einfach zusammen.“

Europacup brächte Probleme

Man müsse „die Kirche im Dorf lassen“, sagte wiederum Torwart-Routinier Alexander Manninger. Manager Stefan Reuter machte sich und den Seinen dennoch Mut, gegen Pep Guardiola und Co. nicht freiwillig den krassen Außenseiter zu geben. „Die Chance auf einen Sieg hat man immer“, meinte der einstige Nationalspieler, um dann zu bemerken: „Die Bayern spielen in einer eigenen Liga.“

In Augsburg nehmen sie’s mit Gelassenheit, lassen sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Wie beim 3:1 gegen Hamburg machten sie den Rückstand wett, obschon Weinzierl nach dem 0:1 von Köln durch Anthony Ujahs fünften Saisontreffer (13.) festhielt, „dass es irgendwie auch glücklich war“. Aber verdient, trotz des späten Siegtreffers. Es erstaunt schon, dass ein Auswärtsteam vor der Pause 70 Prozent Ballbesitz hat und insgesamt auf 65 Prozent kommt. Angesichts einer derartigen Dominanz glaubt Halil Altintop, dass gegen den Tabellenführer „alles möglich ist. Wir werden die Punkte nicht herschenken.“ Weinzierl: „Wir lassen’s laufen, so lange es geht.“

Doch was, wenn am Saisonende die Qualifikation für den Europacup steht? Da wird es auch Reuter ein wenig mulmig. „In dem Fall würden natürlich neue Probleme und neue Herausforderungen kommen“, sagte der Manager im „Doppelpass“ bei Sport1: „Wir hätten einen anderen Rhythmus, und die Belastung wäre viel höher. Der Kader wäre dafür nicht breit genug.“ So weit ist es noch nicht. Jetzt können sich die Schwaben erst einmal auf die Bayern freuen. Ein Sieg – das wäre wirklich der Gipfel.