Bundesliga

Taktikspiele gegen die Arroganz

Guardiola probiert immer Neues aus, um die Spannung seiner Bayern hoch zu halten

Der zweite Advent war beim FC Bayern ein Tag der Familie. Die Spieler und ihre Liebsten trafen sich am Sonntag zur Weihnachtsfeier. Trainer Pep Guardiola hatte kein Training angesetzt, es blieb also viel Zeit für leckeres Essen und Geschenke.

Die Basis für gute Stimmung hatten die Bayern am Vortag gelegt. Das 1:0 (0:0) gegen Bayer Leverkusen war ihr elfter Sieg im 14. Saisonspiel und die elfte Partie ohne Gegentor. Und das erste Spiel, in dem ein Eckball zum Erfolg führte – wenngleich sie diesen indirekt ausgeführt hatten. „Es war ein sehr wichtiger Sieg in einem schweren Spiel“, sagte Franck Ribéry. Sein 1:0 in der 51. Spielminute war sein 100. Pflichtspieltor für die Bayern. Der Offensivstar feiert es auf dem Rasen mit seinem brasilianischen Kollegen Rafinha, der den Treffer gemeinsam mit Xabi Alonso vorbereitet hatte. „Das Tor ist gut für mich, vor allem aber für die Mannschaft. Wir haben jetzt noch vier Spiele in diesem Jahr vor uns, die wir alle gewinnen wollen.“

Gegen Leverkusen hatte Trainer Pep Guardiola mal wieder die Taktik verändert. Robert Lewandowski, sonst zentraler Stürmer, spielte Linksaußen, Thomas Müller sehr weit rechts. Eine Variante, die nicht funktionierte. In der ersten Hälfte kamen die Gastgeber nur zu wenigen Torchancen. Was war das für ein Experiment? Sportvorstand Matthias Sammer sagte, es sei kein Experiment gewesen, sondern Strategie.

Streit mit Müller-Wohlfahrt

„Das ist Pep ja nicht in der Mittagspause eingefallen. Er hat taktisch auf die Qualität des Gegners reagiert.“ Ziel sei es gewesen, Anspielmöglichkeiten in der Tiefe und in der Breite zu schaffen. „Wenn mein Trainer nicht eine andere Idee gehabt hätte und anders hätte spielen lassen, als wir immer spielen – dann hätte er mit mir ein Problem gehabt", so Sammer. Und fügte augenzwinkernd hinzu: „Jetzt hat er nur mit euch Reportern ein Problem.“

Zwei Dinge dürften sich in dem Klub trotz der Dominanz in der Bundesliga nicht einschleichen, sagte Sammer, und das meinte er wieder völlig ernst: „Selbstherrlichkeit und Arroganz. Und die Haltung, dass wir keine Veränderungen mehr benötigen und es keine Entwicklung mehr gibt“.

Zur zweiten Hälfte hatte Guardiola den Mittelfeldprofi Sebastian Rode für den an diesem Tag schwachen Mario Götze eingewechselt. Rode holte den Eckball vor dem Siegtreffer heraus und überzeugte. „Der Trainer hat gut reagiert“, lobte Klubchef Karl-Heinz Rummenigge.

Guardiola lief während der 90 Minuten an der Außenlinie trotzdem unruhig auf und ab. Und redete wild und mit wütendem Gesichtsausdruck auf Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt ein. Das wirkte gar nicht harmonisch, trotz der Adventszeit. Offenbar war Guardiola sauer, weil Arjen Robben sich nach einer Behandlung während der Partie erneut an die Seitenlinie begeben musste. Das Verhältnis zwischen Guardiola und Müller-Wohlfahrt gilt schon lange als gestört. In der Schlussphase waren sich auch Robben und Guardiola in einem Wortwechsel nicht einig. Das sei aber nichts Relevantes gewesen, sagte Robben nach dem Spiel.

In der Bundesliga sind die Bayern seit 18 Spielen unbesiegt, auch in der Champions League wartet mit ZSKA Moskau am Mittwoch nur eine lästige Pflichtaufgabe. Weltmeister Thomas Müller sagte: „Wenn wir so weitermachen, werden die Augen noch mal auf das Eröffnungsspiel der Rückrunde gerichtet sein – und nach dem Spiel können wir uns noch mal unterhalten.“ Das erste Spiel der Rückrunde bestreiten die Münchner beim Tabellenzweiten VfL Wolfsburg, der sieben Punkte Rückstand hat. Bis dahin, betonte Müller, sei der Sieg über Leverkusen aber auch schon „ein richtungweisender Schritt für uns, auch wenn es noch sehr früh in der Saison ist“.