Volleyball

Schaus findet in Köpenick ihr Glück im Außendienst

Die Volleyballerin kommt beim KSC immer besser in Fahrt

Nadja Schaus war kaum in Berlin, da wurde sie im Supermarkt auch schon gefragt, ob sie Volleyballspielerin sei – wegen ihrer Größe (1,86 Meter). Beim Köpenicker SC agierte sie dagegen zunächst unauffällig, bekam kaum Spielzeit, kam, wenn überhaupt, von der Bank. Als 54-fache Nationalspielerin war sie der vermeintliche Königstransfer der Berlinerinnen, doch die gebürtige Wormserin tat sich schwer, weil sie beim KSC auf einer anderen Position eingesetzt wird als früher. Mittlerweile zählt die 30-Jährige aber zu den Leistungsträgerinnen, die am Sonnabend groß aufspielen muss, wollen sie und ihr Team als Tabellenelfte beim ungeschlagenen Tabellenführer und Deutschen Meister Dresden bestehen.

Mit dem Schweriner SC hatte Nadja Schaus 2011 selbst die Deutsche Meisterschaft gewonnen, mit Leverkusen und Wiesbaden wurde sie 2004 und 2010 Vizemeisterin und stand 2005 im Europapokalfinale. Noch als Außenangreiferin, wie jetzt wieder in Köpenick. Bundestrainer Giovanni Guidetti hatte sie zwischenzeitlich überredet, auf die Mittelblockposition umzuschulen, als Ersatz für die verletzte Christiane Fürst. Vier Jahre lang stand Schaus dann in der Mitte, wurde in dieser Zeit von Guidetti aber nur noch sporadisch berücksichtigt, „weil ich auf dieser Position ja auch nicht mehr Erfahrung hatte als jüngere Spielerinnen mit Anfang 20.“ Bei der EM 2013 in Deutschland stand sie nicht im Aufgebot.

All die Jahre blieb die Außenposition aber immer die, „die ich wirklich will, weil ich dort stärker am Spiel beteiligt bin“, sagte sie. Beim vierjährigen Ausflug in den Mittelblock seien viele Automatismen verloren gegangen. „Ich komme nicht als 54-fache Nationalspielerin nach Köpenick, sondern fange wieder ganz von vorn an“, erklärte sie gleich, als ihre Verpflichtung bekannt wurde. „In der Annahme fange ich ganz unten an.“

Das war einmal. Teams wie Münster hatten sie zuletzt vergeblich als vermeintlich schwächste Annahmespielerin zum Ziel ihrer Aufschläge auserkoren. Kein Vergleich zur Saisonvorbereitung, als sich Schaus noch selbst als „Störfaktor“ im KSC-Team bezeichnet hatte. Körperlich fit zwar, nachdem sie sich beim SC Potsdam in Form gehalten hatte, wo ihr Freund als Co-Trainer tätig ist, aber spielerisch und taktisch überfordert.

Schaus ist froh, dass man in Köpenick mehr Geduld mit ihr hatte als sie mit sich selbst und ihr trotzdem eine Chance gab. Vielleicht, weil der Verein schon einmal gute Erfahrungen mit einer Umschülerin gemacht hat: Saskia Radzuweit blühte in Berlin ebenfalls als Außenangreiferin auf, nachdem sie zuvor in Hamburg als Mittelblockerin und Diagonalspielerin nicht mehr glücklich geworden war.