1. FC Union

Oh Käpt’n, mein Käpt’n

Ein Doppelpack des zuletzt so kritisierten Kreilach beschert Union den Sieg in Aue

Sebastian Polter war der Erste, der Damir Kreilach in seine Arme schloss. Nach und nach folgten alle Profis des 1. FC Union, um ihren Kapitän zu herzen. Ihn in die Mitte zu nehmen und damit zu demonstrieren: Wir stehen zusammen. Es war ein Bild voller Teamgeist, dass die Mannschaft des Berliner Fußball-Zweitligisten beim 2:1 (0:0) bei Erzgebirge Aue von sich gab. Während der 90 Minuten ebenso wie nach dem Schlusspfiff. Und es war kein Zufall, dass Kreilach derjenige war, den die Spieler demonstrativ in ihre Mitte nahmen. Der Kroate war es, der Union vor 9100 Zuschauern den so wichtigen Sieg im Ostderby sicherte. Zumindest bis Sonnabendnachmittag haben sich die Köpenicker mit 17 Punkten auf Rang elf vorgearbeitet.

Die bange Frage, die nicht nur die rund 2000 mitgereisten Union-Fans vor dem Kellerduell beschäftigte, war: Schaffen es die Berliner endlich einmal, nicht nur eine Halbzeit lang auf dem Platz präsent zu sein, sondern auch über die volle Spielzeit? Nach den 90 Minuten konnte Trainer Norbert Düwel den Seinen attestieren: „Die Mannschaft hat von der ersten Sekunde an gezeigt, dass sie hellwach ist.“ Der Glaube sei ungebrochen gewesen.

Selbst Kreilach konnte da schon wieder lachen. Zum dritten Mal musste der Kapitän, der zuletzt wegen schwacher Leistungen in der Kritik stand, zu Spielbeginn zunächst mit der Reservistenrolle vorlieb nehmen. Der 25-jährige Mittelfeldspieler gab unumwunden zu, dass er „ein bisschen sauer“ war, weil er zunächst nur auf der Bank gesessen hatte. „Aber ich habe es in positive Energie umgesetzt. Die beiden Tore sind ein super Gefühl.“

Erst in der 70. Minute war Kreilach für den zu diesem Zeitpunkt Rot-gefährdeten Benjamin Köhler eingewechselt worden. Doch als er gebraucht wurde, war der Kapitän zur Stelle. Nach einer Ecke von Björn Jopek und einem noch abgeblockten Kopfball von Sebastian Polter stocherte Kreilach den Ball mit den Stollen über die Linie. Es war der Ausgleich zum 1:1 in der 77. Minute, Union war wieder im Spiel. Und neun Minuten später nutzte er ein Anspiel von Jopek derart eiskalt aus, dass Aues Torwart Martin Männel nur noch hinterherschauen konnte, wie der Ball neben dem linken Pfosten seines Tores einschlug (86.). Wie schon gegen Sandhausen (3:1) und in Aalen (2:1) hatte Union die Partie gedreht.

Union-Fans zünden Pyrotechnik

Dass die Berliner in der Partie, die wegen massiven Abbrennens von Pyrotechnik im Union-Block sechs Minuten später begann, dennoch erst wieder zurück lagen, hatte einen einfachen Grund. Köhler hatte im Duell mit Oliver Schröder den Ball vertändelt. Der Unioner wollte das Spielgerät einfach ins Toraus trudeln lassen, doch Schröder spitzelte den Ball im letzten Moment weg und zog im Duell der beiden Ex-Herthaner das Foul. „Wieder einmal bringt uns eine Unachtsamkeit in Rückstand“, analysierte Düwel. Damit war nicht nur der unnötige Ballverlust gemeint, sondern auch der Kopfball von Stipe Vucur zum 0:1 im Anschluss an den Freistoß (56.). Christopher Trimmel zeigte dabei gegen den Kroaten nicht das beste Zweikampfverhalten.

Dabei hatte es von Beginn an nicht so schlecht ausgesehen für die Gäste. Düwel hatte neben Kreilach auch Fabian Schönheim zunächst draußen gelassen, Jopek und Roberto Puncec rückten in die Startelf. Den ersten Schuss von Polter aus 20 Metern (4.) konterte Aue mit einem Pfostenknaller von Solomon Okoronkwo aus Abseitsposition, der direkt in den Armen von Torwart Daniel Haas landete. Union besaß durch Jopek auch die größte Chance vor der Pause. Der 21-Jährige schob den Ball nach Zuspiel von Christopher Quiring aus fünf Metern am Tor vorbei (45.+1).

Nach dem Wiederanpfiff und dem Gegentor scheiterte Quiring sogar aus drei Metern an Torwart Männel. „Wieder haben wir zahlreiche sehr gute Torchancen nicht genutzt“, monierte Trainer Düwel. Dank Kreilach zeigten die Köpenicker jedoch, dass sie zurecht als Mannschaft der zweiten Halbzeit bezeichnet werden. Inzwischen haben sie 15 ihrer 17 Tore nach der Pause erzielt. Für Union bedeutete der Doppelpack des Kapitäns nach dem Aalen-Sieg und dem 3:3 in Ingolstadt das dritte Auswärtsspiel in Folge ohne Niederlage.

Die Rückfahrt aus Aue dürfte jedenfalls entspannt gewesen sein. Oder wie es der US-amerikanische Dichter Walt Whitman bereits Mitte des 19. Jahrhunderts formulierte: Oh Käpt’n, mein Käpt’n, zu End’ ist unsre Reis’, wir haben jedes Riff umschifft, der Sieg war unser Preis.