Bundesliga

Herthas Arjen heißt Roy

Warum Roy Beerens vor dem Duell gegen den FC Bayern besonders motiviert ist

Da war er wieder, dieser simple, aber äußerst wirkungsvolle Trick. Mit seinem rechten Fuß führte Roy Beerens den Ball gefühlvoll hinter seinem Standbein entlang. Ein flinker Richtungswechsel – und schon hatte der Niederländer freie Bahn. Die Kiebitze am Trainingsplatz von Hertha BSC kamen am Dienstagnachmittag ins Schwärmen: „Guck dir nur diese Ballbehandlung an.“

Spätestens seit vergangenem Sonnabend kennen sie die Beerens’schen Ballfertigkeiten auch in Köln. Neu-Nationalspieler Jonas Hector ging den Kabinettstückchen des 26-Jährigen binnen weniger Sekunden gleich zweimal auf den Leim. Also preschte Beerens vom rechten Flügel in den Strafraum und zog mit links ab. 1:0. Ein sehenswerter Treffer, der den Berlinern den Weg zum späteren 2:1-Sieg ebnete.

So auffällig der Niederländer auf dem Spielfeld agiert, so unscheinbar tritt er abseits des Rasens auf. Unter seinen Berufskollegen, die ihre Selbstinszenierung mehr und mehr zum Nebenberuf erheben, wirkt Herthas Sommerzugang wie der bodenständige Junge von nebenan. Ohne Glamour, ohne Allüren. Sein Treffer gegen Köln erinnerte hingegen arg an einen prominenten Landsmann: Arjen Robben. Vom Stil gebe es vielleicht Parallelen, meint Beerens, ein Vergleich mit dem Bayern-Star verbiete sich jedoch. „Arjen spielt in einer Liga mit Messi und Ronaldo“, sagt der Herthaner, „das ist ein anderes Niveau.“

Dem Niveau des Berliner Bundesligisten hat Beerens bislang jedoch überaus gutgetan. Als einziger Herthaner stand er bislang in jedem Pflichtspiel der Saison in der Startelf. Die Gründe dafür lassen sich auch in der Statistik finden. In den bisherigen zwölf Ligapartien schlug Beerens 53 Flanken – ohne Standards, wohlgemerkt. Ein beeindruckender Wert, tatsächlich hat kein anderer Kicker in Fußball-Oberhaus mehr Bälle in Richtung gegnerischen Strafraum entsendet. Quantitativ gibt es an Beerens’ Vorbereitungseifer also wenig zu bemängeln. Die Ausbeute ist allerdings verbesserungswürdig. Bislang weist seine persönliche Statistik nur eine Torvorlage aus. Darüber, ob dies an der Qualität seiner Zuspiele liegt oder der Abschlussschwäche seiner Mitspieler geschuldet ist, lässt sich trefflich streiten.

Fest steht: Beerens’ Flanken kommen zuverlässig. Und genauso ist auf seine Chuzpe Verlass. Wann immer sich die Gelegenheit bietet, sucht er auf dem rechten Flügel die Eins-gegen-eins-Situation. Von seinen Gegenspielern ist der 1,74-Metern-Mann dabei nur schwer zu halten. Oftmals wissen sie sich nur mit einem Foul zu helfen, und gerade dann, wenn es hakt im Spiel der Berliner, sind die daraus resultierenden Standards eine hilfreiche Alternative.

Mit Auftritten wie gegen Köln möchte sich Beerens auch in den Dunstkreis der niederländischen Nationalmannschaft spielen. Dort allerdings hat er mit Robben den wohl besten Rechtsaußen der Welt vor der Nase. Trotzdem möchte er sich aufdrängen. „Wenn Hertha erfolgreich ist, steigen auch meine Chancen im Nationalteam“, sagt Beerens.

Das mit den Erfolgen könnte allerdings schwierig werden. Am Sonnabend (15.30 Uhr) kommt der übermächtige FC Bayern ins Olympiastadion – mit Robben, versteht sich. Von einem Privatduell will Beerens nichts wissen, schließlich spiele jeder Münchner auf Weltklasse-Niveau. Trotzdem will er sich auch gegen die Bayern ins Rampenlicht spielen. „Wir müssen um jeden Meter kämpfen“, sagt er mit trotzigem Blick, „dann haben wir auch eine Chance.“

Er wolle gar nicht so viel reden, betont Beerens, sondern lieber seine Leistung aus dem Köln-Spiel wiederholen. Dort habe Hertha allerdings eine gehörige Portion Glück gehabt. „Das braucht man in manchen Spielen“, sagt Beerens. Erst recht, wenn es gegen die Bayern geht.