Football

Tag der saftigen Truthähne und vollen Stadien

Thanksgiving ist in den USA das Fest der Familien, aber auch ein großer Football-Tag

Thanksgiving hat mit dem Erntedankfest, wie wir es kennen, wenig zu tun. Letzteres wurde ja auch bereits am 5. Oktober gefeiert, der Feiertag in den USA fällt aber traditionell auf den vierten Donnerstag im November. Wobei Jahr für Jahr das Bild weltweit die Runde macht, wie der jeweilige US-Präsident den Truthahn begnadigt, den er von den US-Industrie-Verbänden geschenkt bekommt. Ein Einzelschicksal, mehr nicht, denn viele seiner Artgenossen stehen im Mittelpunkt festlich gedeckter Tafeln, an denen die Familien einmal im Jahr zusammenkommen.

An Thanksgiving sind die beliebten Stampfkartoffeln, Preiselbeer-Marmelade, Erbsen, Mais und Kürbiskuchen nicht wegzudenken. In Detroit allerdings auch das Footballteam der Lions nicht. Eine Tradition, die bereits vor 80 Jahren begann.

1934 hatte George A. Richards genug davon, immer nur die Baseballer der Detroit Tigers auf den Titelseiten der lokalen Zeitungen zu sehen. Er hatte gerade für 7952,08 Dollar das American-Football-Team der Portsmouth Spartans gekauft und sie aus Ohio nach Detroit umgesiedelt. Er fand sein Team aber immer nur auf den hinteren Seiten. Die Baseball-Spiele waren ausverkauft, zu den Partien seiner Lions kamen hingegen nur knapp 12.000 Zuschauer.

Richards kam die Idee, ein Heimspiel an Thanksgiving auszutragen, dem wichtigsten Feiertag in den USA. Die Ursprünge des Festes gehen auf das Jahr 1621 zurück. Damals landeten englische Pilgerväter mit der „Mayflower” im Frühling in Massachusetts und feierten im Herbst ihre erste Ernte. Im Gegensatz zu Weihnachten ist Thanksgiving unabhängig von jeglicher Religion, und es gibt auch keinen Geschenke-Stress. Es geht schlichtweg ums Miteinander.

80 Jahre nach Richards verbinden viele Menschen in den USA mit Thanksgiving nicht nur Familie und Festmahl, sondern vor allem Football, vor allem in Detroit, obwohl Thanksgiving-Football-Spiele 1934 nicht wirklich ungewöhnlich waren. Richards jedoch sorgte für eine neue Dimension. Er nutzte seine Radio-Kontakte und hob das Spiel am 29. November 1934 auf eine bis dahin ungenutzte Bühne. Richards überzeugte NBC, das Match auf 94 Stationen im ganzen Land auszustrahlen. Graham McNamee, einer der Pioniere der Radioübertragung in Amerika, kommentierte zusammen mit dem nicht minder bekannten Don Wilson die Partie. Detroits Gegner waren die Chicago Bears, der Meister und nach elf Spielen noch unbesiegt. Die Lions wiederum hatten eine Bilanz von 10:1 Siegen, heute würde man wohl mindestens vom „Spiel der Woche“ reden.

Das University of Detroit Stadium war mit 26.000 Zuschauern ausverkauft, die Arena hätte dreimal gefüllt werden können. Detroit verlor zwar 16:19, aber der „Turkey Day” in Detroit war geboren. An diesem Donnerstag spielen die Lions zum 75. Mal ein Thanksgiving-Match. Gegner sind – mal wieder – die Chicago Bears. Detroits Heimspiele an jedem vierten Donnerstag im November sind 33 Jahre älter als beispielsweise das Endspiel, der Super Bowl.

Am 24. November 1938 ahnte niemand, dass es aufgrund des Zweiten Weltkrieges das letzte Thanksgiving-Spiel für die kommenden sieben Jahre sein sollte. Das 24:20 gegen die Green Bay Packers am 22. November 1956 wurde erstmals landesweit live im Fernsehen übertragen. Am 27. November 1997 gelang mit dem 55:20 gegen Chicago der klarste aller 34 Thanksgiving-Siege und die höchste Punktzahl der Vereinsgeschichte in einem Vorrundenspiel. Von 2004 bis 2012 konnte Detroit kein einziges seiner neun Thanksgiving-Spiele gewinnen. Die TV-Anstalten trauten sich dennoch nicht, die Lions vom prestigeträchtigen Fernsehtag auszuschließen. Es wäre ein Bruch mit der Tradition.