Vorwurf: Unsportliches Verhalten

Kontrollausschuss ermittelt gegen Union-Coach Düwel

DFB fordert Stellungnahme zur „Stinkefinger“-Affäre

Der fatale Fingerzeig von Norbert Düwel hat ein Nachspiel. So hat der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gegen den Trainer des 1. FC Union ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Im Juristen-Deutsch des DFB heißt es: „Es besteht der Verdacht, dass sich Düwel am vergangenen Samstag nach Abpfiff des Zweitliga-Spiels gegen den TSV 1860 München eines unsportlichen Verhaltens schuldig gemacht haben könnte.“

Union hatte sein Heimspiel gegen die „Löwen“ bekanntlich mit 1:4 verloren. Düwel hatte einem pöbelnden Fan auf der Haupttribüne den „Stinkefinger“ gezeigt. Die Szene wurde vom TV-Sender Sky dokumentiert. Im Anschluss entschuldigte sich Düwel für sein Fehlverhalten. Aber er und seine Familie seien „mit Ausdrücken weit unter der Gürtellinie beschimpft“ worden, rechtfertigte sich der Union-Coach.

Der Kontrollausschuss hat Düwel aufgefordert, bis Mitte der Woche eine schriftliche Stellungnahme beim DFB einzureichen. Nach Auswertung der Stellungnahme wird der Kontrollausschuss über den Fortgang des Verfahrens entscheiden.

Die Angelegenheit kommt für Düwel und Union ungelegen. Grundsätzlich begleitet Düwel, 46, der erstmals als Cheftrainer im Profibereich arbeitet, Skepsis, ob er dem Job gewachsen ist. Sportlich hatten die Beteiligten gehofft, dass Düwel mit der Mannschaft nach der sportlichen Krise (Tabellenletzter Anfang Oktober) die Kurve mit dann sieben Punkten aus vier Partien bekommen hätte. Da war die Heimniederlage gegen 1860 ein empfindlicher Schlag ins Kontor. Mit seinem „Stinkefinger“ gegenüber einem Stadionbesucher hat Düwel selbst für ein weiteres Fragezeichen gesorgt, ob er den Stressjob Trainer meistern kann.

Zingler in der Zwickmühle

Union-Präsident Dirk Zingler steckt zudem in einer Zwickmühle. Bei einem „Stinkefinger“ muss er über arbeitsrechtliche Konsequenzen nachdenken. Andrerseits ist der Trainer-Posten grundsätzlich ein schwieriger. Ein Trainer ist immer auf die Unterstützung seiner Chefetage angewiesen. Weshalb Zingler sagt: „Norbert Düwel hat sich den Fragen zum Thema gestellt. Was es darüber hinaus zu besprechen gibt, besprechen wir intern.“

Egal, ob der Präsident seinen Trainer eindringlich ermahnt oder gar abmahnt – in jedem Fall sollte das Gesprochene intern bleiben. Nach außen hin braucht Düwel Vertrauen und Autorität. Die kommenden Aufgaben – unabhängig vom Ausgang der DFB-Ermittlungen – sind schwer genug. Union, aktuell Tabellen-15., trifft mit Erzgebirge Aue (16.) und dem FSV Frankfurt (13.) auf zwei direkte Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt. Die beste Währung für Düwels Job-Sicherheit sind möglichst viele Punkte aus diesen Partien.