Formel 1

Weltmeister Hamilton verzichtet 2015 auf die Startnummer eins

Der Feier seines zweiten WM-Titels lässt der selbstbewusste Engländer eine klare Kampfansage an Rosberg folgen

In der weltmeisterlichen Party-Nacht gönnte sich Lewis Hamilton nur einen Drink. Für den neuen König der Formel 1 soll der zweite Titel nicht mehr als eine Durchgangsstation sein. „Ich bin ganz sicher noch nicht fertig, will noch stärker zurückkommen“, kündigte der Champion am Montag in Abu Dhabi mit breitem Lächeln an. Klare Worte, auch für den knapp unterlegenen Mercedes-Teamkollegen Nico Rosberg.

Enttäuschung sitzt tief

Der Deutsche wusste in den dunkelsten Stunden seiner Karriere genau, wie schwer es wird, seinen Stallrivalen noch einmal so herauszufordern. „Es dauert ein bisschen, bis ich wieder die Motivation für das nächste Jahr finde, aber die wird schon kommen“, meinte Rosberg in einer Montag veröffentlichten Video-Botschaft noch immer betroffen. „Jetzt muss ich mich erst mal erholen von diesem Erlebnis, das dauert sicher eine Weile“, gestand der WM-Zweite, der eher wenig Lust auf seinen Einsatz bei den Abschluss-Testfahrten am Dienstag in Abu Dhabi verspürt.

Hamilton hielt am Morgen nach seinem Triumph in einem Luxushotel Hof, frisch und entspannt wie nach einem Wellnessabend. „Es war auf jeden Fall ein unglaubliches Gefühl, heute Morgen aufzuwachen“, verriet der 29-Jährige. Neben ihm blinzelte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff müde, ihn hatte die Feier der Rekordsaison mit 16 Silberpfeil-Siegen in 19 Rennen sichtlich mehr mitgenommen. „Wir haben nicht den Nachtklub zerstört, dafür aber uns“, bekannte der Österreicher.

Die nächste Aufgabe für den 44 Jahre alten Manager besteht darin, Hamiltons Ende 2015 auslaufenden Vertrag zu verlängern. „Lewis ist ein super wichtiger Faktor für dieses Team. Wir werden jetzt ein paar Tage nachdenken und dann die Gespräche wiederbeginnen“, sagte Wolff. Hamiltons neues Selbstvertrauen dokumentiert seine Entscheidung, auf die Weltmeister-Startnummer 1 zu verzichten und auch künftig mit der 44 auf dem Dienstwagen zu fahren. „Die Nummer 1 ist toll, aber ich weiß auch so, dass ich die Nummer 1 bin“, sagte der Champion aus Stevenage, der die 44 sogar als Tattoo hinterm Ohr trägt.

Lob für Hamilton gab es von allen Seiten. „Ein Titel ist besonders, zwei sind spektakulär“, twitterte Jenson Button, der 2009 als bislang letzter Brite den WM-Thron erobert hatte. „Abu Dhabi Doo“, jubelte der „Mirror“ Hamilton aus der Heimat zu. „God save the king“, schrieb die spanische „Marca“, der Schweizer „Blick“ titelte: „Great Job, Lewis!“. Für die österreichische „Presse“ war es die „Triumphfahrt eines Vollblutrennfahrers“, für „Le Soir“ in Belgien „eine Mischung aus Draufgängertum und vor allem großer Reife“.

Italiens „Gazzetta dello Sport“ warnte dagegen das weit zurückgefallene Ferrari-Team und seinen neuen Hoffnungsträger Sebastian Vettel vorsorglich vor dem „Monster aus Großbritannien“. Die Scuderia reagierte am Montag auf eine völlig verkorkste Saison, in der zum ersten Mal seit 1993 kein Sieg gelungen war. Nach nicht einmal acht Monaten im Amt muss der glücklose Teamchef Marco Mattiacci schon wieder gehen, der erst im April Stefano Domenicali abgelöst hatte. Nun soll Maurizio Arrivabene den italienischen Rennstall gemeinsam mit Zugang Vettel zurück an die Spitze führen. Bislang war Arrivabene Vize-Präsident beim Tabak-Konzern Philip Morris und vertrat die Sponsoren in der Formel-1-Kommission.

„In dieser historischen Stunde für Ferrari und die Formel 1 benötigen wir jemanden, der nicht nur Ferrari vollständig versteht, sondern auch die Mechanismen und Bedürfnisse dieses Sports“, sagte Ferrari-Präsident Sergio Marchionne. Auf Sebastian Vettel warten turbulente Zeiten.