Personalien

„Die Welt geht ja nicht unter“

Armin Veh tritt als Trainer in Stuttgart zurück. Stevens als Nachfolger gehandelt

Armin Veh hat mit seinem völlig überraschenden Rücktritt die personellen Probleme beim krisengeschüttelten VfB Stuttgart verschärft. Der ehemalige Meistertrainer hofft allerdings, bei seinem „Herzensklub“ den Weg nach nur 146 Tagen für den erneuten Neuanfang frei gemacht zu haben. „Ich glaube, dass es besser ist, wenn ich nicht da bin“, sagte Veh am Montag. Sein Nachfolger steht noch nicht fest. Ex-Bundestrainer Berti Vogts wird als Kandidat gehandelt. Klub-Chef Bernd Wahler bezeichnete das als „Spekulation“. Wahrscheinlicher erscheint Vehs Vorgänger Huub Stevens. Angeblich geht es nur noch um Details.

Fast eine halbe Stunde lang begründete zuvor Veh, warum er, der Meistertrainer von 2007 und große Hoffnungsträger, dem Schlusslicht der Fußball-Bundesliga nicht mehr weiterhelfen kann – oder will. Sein Argument: Das fehlende Quäntchen Glück. „Ich bin ein Gefühlsmensch, was das anbelangt. Es gibt auch Dinge, die kann ich jetzt nicht mitteilen.“ Dann sagte Veh noch: „Die Welt geht ja nicht unter.“

Die Spieler informierte der 53-Jährige am Montagvormittag, die Vereinsführung um Präsident Wahler bereits am Sonntag nach dem 0:1 gegen den FC Augsburg. „Es war ein sehr persönliches, intensives Gespräch. Da haben viele Gefühle und Sensibilitäten eine Rolle gespielt“, berichtete Wahler von der Unterredung bis „tief in die Nacht“. Gemeinsam mit Veh und Sportdirektor Jochen Schneider saß Wahler tags darauf auf dem Podium und musste genau einen Monat nach dem Rauswurf von Sportvorstand Fredi Bobic über den vierten Trainerabschied seiner Amtszeit reden.

Bruno Labbadia, Thomas Schneider, Huub Stevens, Armin Veh – wer in der Reihe folgen soll, noch Fragezeichen. Für die Auswärtspartie gegen den SC Freiburg am Freitag, einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf, sollen die bisherigen Assistenten Armin Reutershahn und Reiner Geyer die Mannschaft vorbereiten. Wahler sagte, der VfB werde die Suche mit der notwendigen Sorgfalt und Dringlichkeit angehen.

Wie sehr Veh die Vereinsführung überraschte, zeigte sich bei den Fragen nach Kandidaten. „Wir brauchen jemand, der Erfahrung hat in solchen Situationen“, sagte Wahler, wollte aber auch eine interne Lösung nicht ausschließen. Schneider schloss jedoch nicht aus, dass schon gegen Freiburg ein neuer Mann auf der Bank sitzt. Was Veh dann macht, ist offen. „Ich bleibe erst mal ein paar Tage hier. Ich habe keine Pläne“, sagte der noch von den Nachwehen einer schweren Grippe gezeichnete Trainer, der im Sommer von Eintracht Frankfurt nach Stuttgart gewechselt war. Während Veh sich nun auskurieren kann, fällt eine geruhsame Vorweihnachtszeit für Wahler in diesem Jahr definitiv aus. Persönliche Konsequenzen schloss er aus. „Es ist keine einfache Aufgabe, Feuer zu löschen und gleichzeitig die Zukunft zu gestalten“, sagte Wahler. „Ich denke schon, dass wir im Moment den Preis dafür bezahlen, wie die letzten Jahre hier gearbeitet wurde.“

Durch die vierte Heimniederlage der Saison – kein Team in der Liga ist zu Hause schlechter – verschärfte sich die sportliche Situation nochmals. Statt mit einem Sieg einen wichtigen Schritt aus dem Tabellenkeller zu machen, steckt der VfB nach einem Drittel der Saison tief im Abstiegskampf.