Leichtathletik-WM

„Der schlechteste Bewerber gewinnt, das ist illegal“

Heftige Kritik nach Vergabe der Leichtathletik-WM 2019 an Katar

Nach dem Zuschlag für die Leichtathletik-WM 2019 steht Katar erneut im Zentrum massiver Kritik, doch der umstrittene Wüstenstaat hat offenbar schon das nächste große Ziel im Blick. „Es würde mich nicht wundern, wenn Doha sich erneut um Olympische Spiele bewerben würde“, sagte IOC-Vizepräsident Craig Reedie. Bereits für die Spiele 2020 hatte sich die katarische Hauptstadt in Stellung gebracht, das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte die Kandidatur aber nicht für die die Endauswahl zugelassen.

Doch mit jeder Vergabe von großen Titelkämpfen kommt Katar dem Ziel näher. Die Ausrichtung der Handball-WM 2015, der Rad-WM 2016, der Turn-WM 2018, der Leichtathletik-WM 2019 und der Fußball-WM 2022 könnten die Organisatoren bei einer Bewerbung für die Spiele 2024 ins Feld führen. „Sie müssten allerdings die Bedingungen der Olympischen Charta erfüllen“, betonte Reedie. Dies könnte noch das größte Problem werden – wenn es IOC-Präsident Thomas Bach mit seiner Agenda 2020 ernst meint. In dem Reformwerk soll Wert auf mehr Nachhaltigkeit gelegt werden. Auch das Verbot von Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung passt nicht nach Doha.

Für den Leichtathletik-Weltverband IAAF gab es wegen der Wahl Dohas von Menschenrechtsorganisationen heftige Kritik. „Unser Eindruck ist, dass unsere Appelle ungehört verhallen“, sagte Regina Spöttl von Amnesty International, „wir befürchten, dass wegen der Leichtathletik-WM noch mehr Arbeitsmigranten unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten müssen.“ Ähnlich äußerte sich Wolfgang Büttner von Human Rights Watch Deutschland: „Die Vergabe zeigt schon eine Ignoranz gegenüber der Situation der Arbeitsmigranten“, sagte er. Schätzungen zufolge leben derzeit knapp 1,4 Millionen von ihnen in Katar.

30 Millionen Dollar extra

Der Chef des spanischen Leichtathletik-Verbandes (RFEA) hatte seinem Ärger schon direkt nach der Niederlage Barcelonas freien Lauf gelassen. „Es hat die schlechteste Bewerbung gewonnen. Das Einzige, was sie haben, ist Geld“, wurde Jose Maria Odriozola in spanischen Medien zitiert. „Ich bin angepisst und denke nicht daran, dort hinzufahren.“ Nach seinen Angaben habe Doha das dreistellige Millionenbudget um rund 30 Millionen als Extra für die IAAF erhöht. „Wir betrachten dies als illegal.“

Tatsächlich hatte Doha bei der Abstimmung im IAAF-Council nicht nur mit einer emotionalen und von einer erfahrenen PR-Agentur orchestrierten Kampagne gepunktet. Die Katarer hatten auf den letzten Drücker auch ein attraktives sogenanntes „incentive“ – einen nicht nur in der IAAF üblichen Extraanreiz – ausgelobt: Ein auf fünf Jahre angelegtes Sponsoringpaket mit einem Volumen von rund 30 Millionen US-Dollar sowie das Versprechen, Entwicklungsländern zehn Tartanbahnen zu stiften. Wer mochte da noch Nein sagen? 15 der 27 Council-Mitglieder jedenfalls nicht.