Basketball

Obradovic fordert weniger Ehrfurcht vor ZSKA Moskau

Alba ist ungeschlagener Tabellenführer der Bundesliga und hat in der Europaliga zuletzt gegen Limoges und in Zagreb gewonnen.

Da wäre es normal, mit einer Kampfansage zum nächsten Spiel in Europas Königsklasse zu fahren. Vor der Partie bei ZSKA Moskau am Donnerstag war dergleichen aber nicht zu hören. Eher von allergrößtem Respekt, Sasa Obradovic geriet sogar fast ins Schwärmen.

„Zum absoluten Topfavoriten auf den Titel fehlt ZSKA vielleicht noch ein Center“, sagt Albas Coach, „ansonsten ist es ein perfektes Team, von dem man als Trainer nur träumen kann. Hungrig und total vielseitig, gegen uns sind sie mehr als nur der Favorit.“ Wie die Berliner national, so ist der russische Meister im internationalen Wettbewerb ungeschlagen und kann mit einem Sieg gegen Alba schon vier Spieltage vor Ende der Gruppenphase die Top 16 der Euroleague klar machen. Daraus, dass Cedevita Zagreb und CSP Limoges zuletzt drei Viertel lang ganz gut gegen ZSKA aussahen und die Franzosen sogar mit zwölf Punkten führten, schöpft Obradovic nur wenig Hoffnung. „Erst, wenn sich die Mannschaft entschließt, ernst zu machen, zeigt sich ihre ganze Qualität.“ Wie in Limoges, dort wendete das Team aus Moskau den drohenden Schaden mal eben mit einem 25:2-Lauf im Schlussabschnitt ab.

Tabu kann endlich wieder dribbeln

Das Bild, dass ZSKA mit seinen Gegnern Katz und Maus spielt, „mögen wir Trainer nicht“, erklärt Obradovic wissend, dass es die Situation doch ganz gut trifft. Natürlich habe er einen Geheimplan gegen das Team, dessen Etat von 44 Millionen Euro den von Alba um ein Vielfaches übersteigt. Er verrate ihn nur nicht, damit sich der Gegner nicht vorbereiten könne, scherzt Albas Coach, erzählt dann aber, worum es ihm beim Moskau-Besuch wirklich geht: „ZSKA ist jetzt noch stärker als im Hinspiel. Ich erwarte trotzdem, dass wir mental anders an das Spiel herangehen, nicht so aufgeregt und weniger ehrfürchtig auftreten.“

Die Stimmung ist nach dem fast perfekten Saisonstart gut, daran dürfte auch die zu erwartende Niederlage in Moskau wenig ändern. Beim letzten Training vor dem Abflug überstrahlte aber ausgerechnet einer, der gar keinen Anteil an der Siegesserie hatte, alle anderen. Jonathan Tabu, der seinen Arm wochenlang in einer Schiene vor sich her trug, nachdem sein abgerissener Brustmuskel hatte operiert werden müssen, hat das Gröbste allem Anschein nach hinter sich. Mit sichtbarer Freude dribbelte der belgische Nationalspieler den Ball durch Albas Trainingszentrum in Mitte. Ein Anfang, immerhin. Eine Comeback noch in diesem Jahr wäre allerdings ein kleines Wunder. Fast wie ein Alba-Sieg in Moskau.