Justiz

Blatters Strafanzeige wird immer mehr zum Eigentor

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hat den Umgang des Weltverbandes Fifa mit der Untersuchung der WM-Vergaben an Russland und Katar kritisiert.

„Das Verfahren läuft jetzt seit der Vergabe 2010, seit 2011 gibt es die Ethikkommission. Jetzt haben wir November 2014 und wissen immer noch nicht, was alles passiert ist“, sagte der Chef des Deutschen Fußball-Bundes, „ich bin dafür, Fakten sprechen zu lassen. Die ganze Welt wartet darauf, endlich Klarheit zu bekommen.“ Zu der Strafanzeige von Fifa-Chef Joseph Blatter gegen „Einzelpersonen“ bei der Staatsanwaltschaft in Bern sagte er: „Ich kann mir da keinen Reim drauf machen, was das für ein Zug ist.“

Da scheint Anti-Korruptions-Expertin Sylvia Schenk schon etwas weiter zu sein. „Das ist für mich ein verzweifeltes Ablenkungsmanöver“, sagte die Leiterin der Arbeitsgruppe Sport bei Transparency International. „Man hat erst gar nichts gesagt, dann kommt man nach drei Tagen mit einer Strafanzeige um die Ecke. Für mich ist das ein verzweifelter Versuch, das Heft des Handelns wieder in die Hand zu bekommen“, sagte Schenk. Die Fifa habe die öffentliche Reaktion „völlig falsch“ eingeschätzt: „Das sind alles Managementfehler.“ Sie forderte die Fifa auf, Hintergründe der Strafanzeige offenzulegen. „Gegen wen? Gegen alle, die genannt wurden, oder ist das selektiv?“ Ihr Resümee: „Das Misstrauen wird immer größer.“

Die Fifa hatte am Dienstag mitgeteilt, auf Empfehlung ihres Ethikrichters Hans-Joachim Eckert im Zuge der Ermittlungen über die WM-Vergabe 2018 und 2022 Strafanzeige gestellt zu haben. Gegen wen sich die Vorwürfe konkret richten, ist unklar. Eckert hatte in seinem Urteil die WM-Gastgeber und alle unterlegenen Kandidaten vom Vorwurf der Korruption freigesprochen, aber Ermittlungen gegen Einzelpersonen angemahnt. Diese könnten nicht allein von der Fifa-Ethikkommission vorgenommen werden, so Eckert.

Auch vom Internationalen Olympischen Komitee könnte dem Weltverband Ärger drohen. Grund ist die Empfehlung 27 in dem Reformwerk „Agenda 2020“ von IOC-Präsident Thomas Bach, die alle Verbände auf Good Governance verpflichtet. Bei Verstößen und unbefriedigender Aufarbeitung will das IOC künftig selbst eine Untersuchung anstellen. „Die Empfehlung besagt, dass die Basic Principles für alle gelten und von allen angewandt werden“, sagte Bach der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.