Mitgliederversammlung

„Natürlich sind wir nicht zufrieden“

Die sportliche Bilanz trübt die Freude von Union-Chef Zingler über die Rekordzahlen

Wie gut es einem Verein tatsächlich geht, lässt sich oft daran erkennen, wenn zur Neuwahl eines Gremiums alle bisherigen Amtsinhaber erneut kandidieren. Beim 1. FC Union stellte sich am Dienstagabend der komplette Aufsichtsrat zur Wiederwahl: Autohändler Thomas Koch (Vorsitzender), Unternehmer Hans-Joachim Lesching, SPD-Politiker Karlheinz Nolte, Anwalt Dirk Fischer sowie Joachim Müller aus der Fan- und Mitgliederabteilung des Fußball-Zweitligisten. Die Wiederwahl dieses Quintetts per Listenwahl und mit deutlicher Mehrheit (503 von 551 Stimmen) war ein klares Statement der Mitglieder, die sich im VIP-Bereich der Alten Försterei eingefunden hatten. Für jene Kontinuität, die den Klub zur festen Größe im Bundesliga-Unterhaus werden ließ.

Unterstrichen wird die Entwicklung durch die Zahlen, die Klubchef Dirk Zingler auf der ordentlichen Mitgliederversammlung präsentierte. Union schloss die Saison 2013/14 mit einem Gewinn von 610.000 Euro ab, Einnahmen von 27,27 Millionen Euro (2012/13: 20,49) standen Ausgaben von 26,66 Millionen Euro (2012/13: 19,31) gegenüber.

Zingler sprach von einer „schönen Entwicklung, die durch die Inbetriebnahme der Haupttribüne möglich geworden ist“. Zum sechsten Mal in Folge hat Union nicht mehr ausgegeben als eingenommen. Dadurch ist auch das Konzernergebnis positiv, der 423.000-Euro-Verlust der Stadionbetriebs AG aus 2013/14 ist mehr als ausgeglichen. Union habe Vermögen geschaffen, so Zingler, wodurch sich zudem der Vermögensstatus von einst minus 19 Millionen Euro (2008/09) auf minus 5,6 Millionen Euro verbessert hat. Dies ist nur noch gut ein Drittel jener 15 Millionen Euro Schulden gegenüber Unternehmer Michael Kölmel, die ohnehin bis mindestens 2025 mit Rangrücktritt versehen sind. Nie stand Union besser da als heute. So plant der Klub für die laufende Spielzeit mit 25,61 Millionen Euro und einer schwarzen Null als Ergebnis. Dabei entfallen von 11,3 Millionen Euro für den Lizenzspielerbereich allein 9,3 Millionen Euro, die Union für Gehälter und Prämien der Profis und des Trainerteams aufbringen muss. Den im Vergleich zur Vorjahresbilanz geringeren Etat begründete Zingler vor allem mit einem fehlenden Heimspiel im DFB-Pokal. Im Vorjahr hatte es das lukrative Drittrundenspiel gegen Kaiserslautern gegeben. Diese Saison war das Team von Trainer Norbert Düwel in Runde eins an Ligakonkurrent Heidenheim (1:2) gescheitert.

Lediglich das sportliche Abschneiden trübte die Freude über die Rekordzahlen. „Natürlich sind wir nicht zufrieden“, sagte Zingler, „doch so schlecht läuft es gar nicht“. Union liegt mit 14 Punkten aus 13 Partien und 14 Punkten auf Rang 13 – für den Klubchef offenbar jedoch kein Grund für Alarmstimmung. „Ich habe immer gesagt, je länger wir einen Schritt nach vorne gehen, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass man auch mal einen Schritt nach hinten geht“, hält Zingler die Turbulenzen der vergangenen Wochen für normal. Und stärkte Trainer Düwel, der zur Mitgliederversammlung extra aus dem Trainingslager in Kienbaum erschienen war, demonstrativ den Rücken: „Hinter uns stehen Mannschaften, die ihren Trainer schon gewechselt haben. Erfolgreicher sind sie aber nicht.“