EM-Qualifikation

„Eine nationale Schande“

0:1-Pleite gegen die Faröer stürzt Griechenlands Fußball noch tiefer ins Chaos

Viereinhalb Monate nach dem Einzug ins WM-Achtelfinale und zehn Jahre nach dem EM-Titelgewinn unter Otto Rehhagel liegt Griechenlands Fußball am Boden. Nach der blamablen 0:1-Niederlage gegen die Färöer in der EM-Qualifikation ist Nationaltrainer Claudio Ranieri am Sonnabend entlassen worden.

Die Trennung vom 63 Jahre alten Italiener, der schon Juventus Turin, Inter Mailand oder AS Monaco betreute, hatte sich bereits nach Schlusspfiff am Freitagabend angedeutet. „Nach dieser niederschmetternden Niederlage übernehme ich die komplette Verantwortung für die unglückliche Wahl unseres Trainers“, hatte Verbandspräsident Giorgos Sarris gesagt. Der Coach versuchte zunächst noch, sich gegen seine Demission zu wehren, obwohl ihn die Verbandsführung bis spät in die Nacht bearbeitete. Ranieri berief sich laut Medienberichten auf seinen Zweijahresvertrag und forderte die vereinbarte Summe von 1,6 Millionen Euro als Abfindung. Als Nachfolger wird in verschiedenen Medien Giovanni Trapattoni, 75, gehandelt.

Joan Simun Edmundsson (61.) hatte den 187. der Weltrangliste zum historischen Erfolg geschossen. Für die Mannschaft von den Schafsinseln war es nach dem 1:0-Sieg 1990 gegen Österreich der zweite Sensationssieg als krasser Außenseiter. „Das ist auf jeden Fall unser größter Sieg. Ich glaube, Griechenland ist im internationalen Fußball ein bedeutenderer Name als Österreich“, erklärte Trainer Lars Olsen. Die griechische Zeitung „To Fos“ beklagte dagegen eine „nationale Schande“: Drei Niederlagen bei drei Heimspielen, das sei die „Katastrophe des Jahrhunderts“. Mit nur einem Punkt ist Griechenland Tabellenletzter der Gruppe F.

Am Tag nach der peinlichen Pleite gegen den „Fußball-Zwerg“ Faröer wurden die Schlagzeilen allerdings nicht nur vom sportlichen Trauerspiel beherrscht. Schon in der Nacht zum Freitag war der griechische Fußball durch einen anderen Vorfall erschüttert worden. Unbekannte hatten in der Hauptstadt Athen den früheren Referee Christoforos Zografos überfallen und den heutigen Stellvertretenden Vorsitzenden des Schiedsrichterausschusses krankenhausreif geschlagen. Der nationale Fußball-Verband EPO setzte daraufhin alle Liga-Spiele bis auf weiteres aus.

Man werde keine Schiedsrichter ernennen, bis Staat und Klubs für ein sicheres Umfeld sorgen, hieß es. „Ermordeter Fußball“ titelte das Sportblatt „Sport Day“. „Der griechische Fußball ist auf einem Tiefpunkt angelangt“, schrieb die Tageszeitung „Sport Day“.

Schwere Manipulationsvorwürfe

Auf einer Sitzung des Liga-Verwaltungsrats wurde der Übergriff zusätzlich befeuert. Vangelis Marinakis, Präsident des Rekordmeisters Olympiakos Piräus, ließ am Freitag anklingen, dass der Chef des Traditionsklubs AEK Athen, Dimitris Melissanidis, hinter der Attacke stand. Dieser habe Zografos für ein Spiel einen Schiedsrichter seiner Wahl aufdrängen wollen. Dass sich die griechische Justiz im Moment auch noch mit mutmaßlich manipulierten Spielen beschäftigt, wirkt dabei fast wie eine Randnotiz.