Eishockey

Kleine Fortschritte bringen Eisbären das Glück zurück

Berliner gegen Wolfsburg dennoch unter Zugzwang

Der Nachwuchs legte sich richtig ins Zeug. Bewaffnet mit Spaten und sonstigem Gerät pflügten mehr als zwei Dutzend junger Sportler die Erde im Sportforum durch, sie trugen alten Rasen ab, entsorgten abgenutzte Gehwegplatten, um den Weg frei zu machen für eine Neugestaltung. Andreas Gensel, Trainer der Schüler bei den Eisbären Juniors und selbst fleißig an der Schippe, blickte ganz schön stolz auf das, was seine Jungs da am freien Sonnabend leisteten.

Den Profis des EHC wird ja gern nachgesagt, es mit der Arbeitsmoral nicht ganz so genau zu nehmen. In der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) sorgte das in der jüngeren Vergangenheit für viele schlechte Stunden. Möglicherweise aber hat sich das Team von Trainer Jeff Tomlinson gefangen, beim 4:3 n.P. in Hamburg hängte sich die Truppe bis zum Ende richtig rein. „Wir haben viel Druck gemacht“, so der Coach. Dass es nicht zu drei Punkten reichte, konnten die Berliner nach zuvor vier Niederlagen akzeptieren. Außerdem hatten sie auch Glück gehabt in diesem Spiel. Diesmal das des Tüchtigen.

Natürlich passte noch nicht alles so, wie sich der Trainer das erhoffte. Doch Fortschritte waren erkennbar. „Wir haben das Spiel bei ausgeglichener Spieleranzahl meist bestimmt und den Puck nicht oft weggeschenkt. Wie wir gewonnen haben, das tat uns gut“, sagt Tomlinson. Sogar an den Bullypunkten, eine Schwachstelle, konnten sich die Berliner oft durchsetzen. Und während am Tag danach draußen der Nachwuchs ackerte, schwärmte drinnen beim Training der Profis der Manager davon, was er gerade bei den Los Angeles Kings bezüglich der Bullys erlebt hatte.

In den USA traf sich Peter John Lee mit den Leuten vom Partnerklub, beide Vereine gehören der Anschutz-Gruppe, und ließ sich dort Trainingskonzepte erklären. Unter anderem eines für Bullys, das so viel kostet, wie die Berliner für einen Spieler in der Saison bezahlen. Von den Erkenntnissen, die beim aktuellen NHL-Champion gesammelt wurden, wollen auch die Eisbären bald profitieren. Für die Partie gegen Wolfsburg am Sonntag (ohne den gesperrten Talbot) wird das nicht helfen, doch gerade da sind gute Anspiele wichtig (14.30 Uhr, O2 World). „Wolfsburg lebt vom Kampfgeist und lässt dem Gegner keinen Platz. Da braucht man viel Puckbesitz, und der fängt mit dem Bully an“, sagt Tomlinson.

Nach zuletzt zwei Niederlagen daheim stehen die Eisbären als Elfter der Tabelle trotz des Sieges in Hamburg auch gegen Wolfsburg, den Dritten, unter Zugzwang. Kombinieren die Berliner ihren Schwung aus dem Erfolg gegen die Freezers mit dem Eifer des Nachwuchses, sollte die Herausforderung nicht zu groß sein.