Finaleinzug

Spaziergänge für den jungen Vater

Novak Djokovic beherrscht die Tennis-WM in London und kündigt weitere Großtaten an

Endlich mal ein bisschen Spannung. Wenigstens musste Novak Djokovic mal einen dritten Satz bestreiten, um ins Finale der Tennis-WM zu gelangen. Aber die Hoffnung der Zuschauer in der Londoner O2 Arena auf Nervenkitzel währte nur kurz. Der dritte Durchgang, wie hätte es anders kommen können, endete mit 6:0 für den Weltranglistenersten aus Serbien. Immerhin zeigte der 27-Jährige erstmals in dieser Woche beim 6:1, 3:6, 6:0 gegen den japanischen US-Open-Finalisten Kei Nishikori so etwas wie Schwächen. Oder war ihm nur genauso langweilig wie den Fans in der Halle? Das Endspiel wird es zeigen. Dort trifft er an diesem Sonntag auf den Gewinner des Schweizer Duells zwischen Roger Federer und Stanislas Wawrinka. Doch die Frage nach dem Favoriten scheint geklärt.

So souverän hatte der Schützling von Boris Becker zuvor sämtliche Aufgaben im Schnelldurchgang erledigt. In den Gruppenduellen hatte der Wimbledonsieger keinen Satz und nur neun Spiele abgegeben. Mit dieser lupenreinen Bilanz in der Vorrunde hatte sich Djokovic zudem Weltranglistenplatz eins zum Jahresende gesichert. Gerade hat er seine imponierende Siegesserie in der Halle auf 31 Erfolge ausgebaut; zuletzt gewann er zudem zehn Matches in Folge gegen Konkurrenten aus den Top Ten. 14 Mal nacheinander siegte er bei dem Turnier zum Jahresabschluss, das er 2012 (gegen Federer) und 2013 (gegen den derzeit verletzten Spanier Rafael Nadal) zu seinen Gunsten entschieden hat.

Warum es derzeit so gut läuft für den Mann, der bis auf die French Open schon alle großen Titel gewonnen hat? „Ich habe auch keine Erklärung dafür“, sagte Djokovic, der Spannungskiller von London. Als er am Mittwochabend den Schweizer Wawrinka förmlich überrollt hatte, wirkte es zwischenzeitlich so, als sei dem Dominator selbst diese Überlegenheit ein wenig peinlich – immerhin trat ihm ein Widersacher entgegen, der nach seinem Australian-Open-Triumph als möglicher Störenfried für die jahrelang eisern gültige Tennis-Hackordnung gegolten hatte. Doch dass ihm die Lust und Laune auf Großtaten noch längst nicht ausgegangen ist, das drohte der frischgebackene Papa allen Mitbewerbern in der Tenniswelt in London noch einmal nachdrücklich an: „Seit der Geburt meines Sohnes Stefan fühle ich mich noch inspirierter“, sagte Djokovic, „die Motivation ist größer denn je.“