Bundesliga

Hallenhockey kehrt zurück in die Zukunft

Anzahl der Spieler beträgt wieder sechs statt fünf

Matthew Hetherington macht aus seiner Abneigung keinen Hehl. „Es war furchtbar, wir haben es gehasst“, sagt der Sportdirektor des Berliner Hockey Clubs (BHC) über das Hallenhockey zu fünft. Vor einem Jahr hatte der Weltverband FIH das sogenannte „Hockey 5“ eingeführt, in der Hoffnung, dass dadurch mehr Tore fallen und der Sport für Zuschauer und Medien attraktiver werden würde. Das Gegenteil war der Fall. Zum Start der diesjährigen Hallensaison am Sonnabend kehrt der Deutsche Hockey-Bund deshalb zur traditionellen Variante mit sechs Spielern zurück.

Bei den Berliner Bundesligisten ist man darüber hocherfreut. „Ich bin froh, dass wir das alte System zurückhaben“, sagt Nationalspieler Martin Zwicker vom BHC. Die Variante mit einem Spieler weniger habe dem Sport sehr viel Tempo genommen, „das ging Richtung Standhockey“, meint auch Felix Fischer von den Zehlendorfer Wespen. „Das Mittelfeldspiel fiel quasi weg, alles spielte sich nur noch am Kreis ab, wie beim Handball. Mit dem Unterschied, dass wir eben in den Kreis hineinmüssen, um ein Tor zu erzielen und die Handballer nicht.“

Final Four in der Schmeling-Halle

Die ursprünglichen Ziele von „Hockey 5“ – mehr Platz auf dem Feld und dadurch mehr Tore – seien nach hinten losgegangen, sagt Hetherington. „Es war plötzlich zu viel Platz, weshalb sich viele Teams bis an den eigenen Kreis zurückgezogen haben, um keine Tore zu kassieren.“ Zwar gab es die Möglichkeit, durch das Einwechseln eines zusätzlichen Feldspielers für den Torwart eine Überzahl zu erzeugen, doch das habe die Tendenz, sich einzumauern, nur noch verstärkt, so der BHC-Sportdirektor. Besonders heftig sei dies in der Ost-Staffel der Hallen-Bundesliga aufgefallen, in der die Berliner Klubs spielen, sagt Anja Mülders, Trainerin der Frauen des TuS Lichterfelde: „Beim Vier-gegen-Vier ist die Kreativität der Spieler stärker gefragt. Das Niveau ist im Osten nicht ganz so hoch wie zum Beispiel in der Nord-Staffel, deshalb haben sich die Veränderungen dort besonders negativ bemerkbar gemacht.“

Auf die Teams aus dem Norden können die Berliner Vereine in dieser Saison erst im Final Four treffen, das Anfang Februar in der Max-Schmeling-Halle ausgetragen wird. Ausrichter ist der Berliner Hockey Club, der am liebsten gleich mit beiden Mannschaften beim Finalturnier vertreten sein würde. „Für unsere Frauen wäre alles andere als die Qualifikation eine Enttäuschung“, sagt Matthew Hetherington. Die Männer sind ebenfalls Favorit auf den Staffelsieg, müssen allerdings mit Martin Häner und Pilt Arnold auf zwei Nationalspieler verzichten, die sich in diesem Winter verstärkt auf ihr Studium konzentrieren. Auch Martin Zwicker wird wohl erst Anfang Januar nach der Champions Trophy in Indien zur Mannschaft stoßen. Matthew Hetherington fordert deshalb von den jüngeren Spielern mehr Verantwortung. Er hofft, dass der Nachwuchs in der Halle reift, damit der BHC im Frühjahr noch stärker in die Rückrunde der Feldsaison geht.

Ärgste Konkurrenten für den Berliner Hockey Club sind der TC Blau-Weiß, der ebenso wie der BHC auch auf dem Feld in der Bundesliga mitmischt, sowie die Zehlendorfer Wespen, die traditionell eine starke Hallenmannschaft stellen. Bei den Frauen strebt der TuS Lichterfelde ins Viertelfinale. Für Aufsteiger SCC geht es dagegen bei den Männern und bei den Frauen nur um den Klassenerhalt.

Wenige Tage nach dem Final Four findet in Leipzig die Hallenhockey-WM statt – anders als die Bundesliga ebenfalls im Fünf-gegen-Fünf-Format. International haben die neuen Bestimmungen weiterhin Bestand. Ein Nachteil beim Projekt Titelverteidigung? Matthew Hetherington glaubt das nicht: „Deutschland hat die besten Hallenspieler und zudem Heimvorteil“, sagt er. „Das sollte den Nachteil mehr als ausgleichen.“