Untersuchungen

Eklat um Garcias Ermittlungsbericht zu WM-Vergaben

Fifa-Kommission sieht keine Korruption, der Autor ist empört

Chefermittler gegen obersten Richter: Der Abschlussbericht der Fifa-Ethikkommission zur WM-Vergabe an Russland 2018 und Katar 2022 droht zur Farce zu werden. Erst sprach der deutsche Richter Joachim Eckert (München) die Ausrichter der beiden Fußball-Endrunden von jeglichem Korruptionsverdacht frei. Dann wetterte der Autor des Berichtes, Michael J. Garcia aus den USA, gegen die „unvollständigen und fehlerhaften“ Fakten der Fifa-Kammer. Der frühere Staatsanwalt plant Einspruch einzulegen – damit würde der Autor gegen den Auswerter des mit Spannung erwarteten Berichts vorgehen.

Keine Korruption, kein Skandal, keine Neuvergabe – diese Auffassung hatte Eckert als Vorsitzender der Kammer am Donnerstagmorgen veröffentlicht. Die offizielle Untersuchung schien damit ins Leere gelaufen zu sein. Die Ethikkommission fand nach Eckerts Lesart keine Beweise, die eine erneute Ausschreibung und Vergabe der kommenden beiden Endrunden rechtfertigen würden.

„Das ist eine Kommunikationskatastrophe für die Fifa“, sagte Sylvia Schenk, Sportbeauftragte bei der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International: „Die Forderung kann nur lauten, den 430-seitigen Garcia-Bericht komplett zu veröffentlichen.“ Das hatte der Weltverband zuvor ausgeschlossen – aus datenschutzrechtlichen Gründen.

„Die Untersuchungskammer hat weder Vergehen noch Verstöße gegen die maßgebenden Bestimmungen und Regelungen festgestellt“, heißt es in der von Eckert unterschriebenen Stellungnahme. Garcia, dem exzellente Kontakte zum FBI nachgesagt werden, hatte seit 2012 mit 75 Zeugen gesprochen und rund 200.000 Seiten Material gesichtet.

Der Münchner Richter hatte Garcias Untersuchungsbericht seit Anfang September ausgewertet und regt unter anderem eine Reform des Vergabeprozesses für künftige WM-Turniere an. Die endgültige Entscheidung liegt in den Händen des Fifa-Exekutivkomitees um Präsident Joseph S. Blatter – die „Weltregierung des Fußballs“ wollte endlich mit dem leidigen Korruptionsthema abschließen.

Die massive Kritik an beiden Turnieren wird – unabhängig von Garcias Kritik an der Schlussbewertung – allerdings kaum abnehmen. Erst am Mittwoch hatte die Menschenrechtsorganisationen Amnesty International dem Wüstenstaat Katar erneut ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt – immer wieder schockieren Berichte von unmenschlichen Arbeitsbedingungen am Persischen Golf die Weltöffentlichkeit. Russland 2018 war zuletzt im Zuge der Ukraine-Krise und des Hardliner-Kurses von Präsident Wladimir Putin auch von deutschen Politikern infrage gestellt worden.

Niersbach bleibt skeptisch

Zurückhaltend reagierten die Spitzen des deutschen Fußballs. „Wenn Herr Eckert zu dem Schluss kommt, dass es keine nachweisliche Beeinflussung der WM-Vergabe gegeben hat, dann steht weiterhin die mit 14:8 Stimmen getroffene Entscheidung des Exekutivkomitees für Katar“, sagte Wolfgang Niersbach, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes: „Unabhängig vom Bericht bleiben die offenen Fragen zum Klima, der Terminierung und den Arbeitsbedingungen in Katar.“ Liga-Präsident Reinhard Rauball sprach von weiter „guten Gründen, eine WM in Katar sehr kritisch zu sehen“.

Ungeachtet der gestrigen Ereignisse ermitteln Staatsanwälte in den New York gegen die Fifa, wegen Korruption auf höchster Ebene. Das FBI versucht den kompletten Garcia-Report zu bekommen.