Justiz

Gedopten Sportlern droht bald Haft bis zu drei Jahren

Regierung stellt heute Entwurf für neues Gesetz in Berlin vor

Bundesinnenminister Thomas de Maiziére (CDU) und Justizminister Heiko Maas (SPD) werden am Mittwoch den Entwurf eines Anti-Doping-Gesetzes vorstellen, das eine Höchststrafe für gedopte Sportler von bis zu drei Jahren vorsieht und auch sonst den Druck auf Betrüger drastisch erhöhen dürfte. Bestraft wird demnach schon der Besitz von Dopingmitteln – egal in welcher Menge. Das ist einer der großen Unterschiede zu den bisherigen Regelungen im Arzneimittelgesetz. Allerdings soll das neue Gesetz, dessen Verabschiedung im kommenden Jahr geplant ist, nur für Spitzensportler gelten, die im Testpool der Nationalen Anti Doping Agentur (Nada) vertreten sind. Dies beträfe etwa 7000 Athleten. Zudem seien auch Geldstrafen sowie die Einbehaltung von Preisgeldern möglich.

Ebenfalls belangt werden können Ärzte und Hintermänner, die Sportler mit Dopingmitteln versorgen. In besonders schweren Fällen sind sogar Haftstrafen von bis zu zehn Jahren möglich. Darunter fällt unter anderem der Verkauf von Dopingmitteln oder das Anwenden von Dopingpraktiken an Minderjährigen. Künftig sollen Gerichte und Staatsanwaltschaften der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) personenbezogene Daten aus Strafverfahren von Amts wegen übermitteln dürfen.

Es fehlt eine Kronzeugenregelung

Fehlen wird offenbar allerdings eine Kronzeugenregel für überführte Dopingsünder. Kritiker bemängeln, dass mit einer solchen Regel Dopingnetzwerke wie im Fall Lance Armstrong besser ausgehebelt werden könnten. Eine Aufhebung der ärztlichen Schweigepflicht wird es auch künftig nicht geben

„Das ist ein Riesenschritt in Sachen effektiver Doping-Bekämpfung“, sagte Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) und einer der vehementesten Verfechter eines deutschen Gesetzes gegen Doping. „Das parlamentarische Verfahren steht noch aus. Ich hoffe, dass der Entwurf zum Gesetz wird.“ Auch Rudolf Scharping, Präsident des Bunds Deutscher Radfahrer (BDR), begrüßte den Entwurf. Der BDR gehe davon aus, „dass damit die Grundlagen für staatliches Handeln und gerichtliche Entscheidungen verschärft werden, um vor allem die Hintermänner und kriminellen Netzwerke des Doping zu treffen. Denn gerade hier enden die Möglichkeiten des Sports, im Spitzensport ebenso wie vor allem in anderen Bereichen von Sport und Gesellschaft“, erklärte der ehemalige Minister.

Oliver Bierhoff unterstützt den Entwurf ebenfalls. „Ich weiß, dass wir damit kämpfen, dass die Grenzen durch die Sportgerichtsbarkeit gesetzt sind und wir zivilrechtlich nachgehen können“, sagte der Teammanager des Deutschen Fußball-Bundes. „Es ist kein kleines Delikt. Nur mit harten, drastischen Strafen, schafft man es, den Sport sauber zu bekommen.“ Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hatte jahrelang Bedenken wegen einer möglichen Schwächung der Sportgerichtsbarkeit, im Gesetzentwurf wird nun aber ausdrücklich betont, das die staatliche Verfolgung von Doping die Sportgerichtsbarkeit nicht ersetzen solle.