Länderspiel

Wackelt gegen Gibraltar sogar der Torrekord?

Deutschlands Nationalelf gewann 1912 einmal mit 16:0

Da werden dieser Tage doch tatsächlich bei Ebay Länderspielkarten verkauft. Deutschland gegen Gibraltar, Grundig-Stadion in Nürnberg, Block 36, Beste Sicht, Preis Verhandlungssache. Vermutlich ist diesen Menschen nur nicht deutlich genug gemacht worden, worum es am Freitag gegen die Nummer Nullkomma-Nichts der Weltrangliste, der Gibraltar laut Fifa-Verdikt ja gar nicht angehören darf, geht. Es könnten Länderspiel-Rekorde gebrochen werden.

Der höchste Sieg wurde noch von Kaiser Wilhelm II beklatscht, Majestät war bekanntlich Fußball-Fan. Am 1. Juli 1912 also schlug die Nationalelf bei den Olympischen Spielen in Stockholm Russland mit 16:0 – und dabei stellte sie nach 69 Minuten das Toreschießen ein. An diesem Rekordsieg haftet ein Makel, weshalb es höchste Zeit wäre, ihn mal abzulösen.

Anpfiff nach einem Trinkgelage

Die Legende sagt, dass die Russen die Deutschen am Vorabend auf eine fröhliche Wodka-Sause auf ihr „Wohnschiff“ eingeladen hätten. Die Sause hat es gegeben, fraglich ist nur der Termin. Da widersprechen sich die Chronisten und solange dem so ist, darf gezweifelt werden, wie stolz wir auf dieses 16:0 sein dürfen. Beide waren schon aus dem Medaillen-Rennen geschieden, es war ein Spiel der Trostrunde. Den Trost suchten sie angeblich (!) schon am Abend vorher in Hochprozentigem. Am nächsten Tag sollen die Russen, alles hünenhafte Offiziere, die auch an den Leichtathletik-Wettbewerben teilnahmen, auf wackligen Beinen gestanden haben. Fakt ist: Deutschland schickte eine komplett neue Elf ins Rennen, die trotz eventuellen Katers hoch motiviert war. Und so kam der Karlsruher Gottfried Fuchs zu zehn Toren, auch wenn die Berliner Zeitungen meldeten: „Hirsch trat acht Tore“. Da wurden Fuchs und Hirsch verwechselt, es war gewiss eines der unerforschtesten DFB-Länderspiele, auch weil das neuartige Fußball-Spiel bei Olympia nur Randsport war. Die Reporter gingen lieber zum Reiten.

Aber auch den Fuchs-Rekord müssen Historiker nun schon seit über 100 Jahren zitieren, kein Müller oder Klose hat ihn je in Gefahr gebracht. Ob sich Freitag Mario Götze der Sache mal annehmen könnte?

Und wenn es nicht zu 16 Toren reicht – bisher hat Gibraltar in drei Spielen schon 17 Gegentore bekommen – dann bitte eben zu 14! Schließlich gehört auch der höchste Heimsieg aufgestockt: Im Kriegsjahr 1940, als Deutschland nur gegen Verbündete oder Unterworfene spielte, kamen die Finnen in Leipzig 13:0 unter die Räder. Der Wiener Wilhelm Hahnemann – Österreicher waren seit 1938 auch „deutsch“ – schoss allein sechs Tore, Fritz Walter hielt sich zurück (zwei). Schon zur Pause stand es 8:0, Trainer Sepp Herberger war mit dem 13:0 unzufrieden, denn „ihr hättet noch viel mehr Tore schießen können, Chancen dazu waren ausreichend vorhanden.“ So wollen wir auch Bundestrainer Joachim Löw hören. Der hält seit 2006 immerhin schon den Auswärtssieg-Rekord: 13:0 in San Marino.