NBA

Ganz oben angekommen

Dirk Nowitzki wird zum besten Ausländer, der je in Amerika Basketball gespielt hat

Sicher vorhersagen lassen sich Rekorde nie, aber die Chancen standen nicht schlecht, dass sich in dem Moment, als diese Zeitung gedruckt wurde, rund 20.000 Menschen im American Airlines Center in Dallas erhoben haben und Dirk Nowitzki wieder einmal gerührt die Ovationen der Fans seiner Mavericks entgegen genommen hat. „The Big D“ brauchte in der Nacht zum Mittwoch gegen die Sacramento Kings noch 17 Punkte, um den Nigerianer Hakeem „The Dream“ Olajuwon zu überholen und in der NBA bester ausländischer Punktesammler aller Zeiten zu werden.

Mit „History awaits“ kündigten die Mavericks das Spiel gegen die Kalifornier in der Erwartung an, dass ein Kapitel Basketball-Geschichte geschrieben wird. Eine clevere Formulierung, die auch dann noch stimmt, wenn es Nowitzki auf nur 16 Punkte gebracht haben sollte. Nach der Partie gegen Sacramento sind noch 72 Spiele bis zum Play-off-Start zu spielen. Der lange Blonde aus Würzburg wird sich den Rekord holen und damit den nächsten Beweis liefern, dass er zu den Größten seines Fachs gehört.

Respekt und Bewunderung

Einen Beweis, den er längst nicht mehr liefern muss – in der Welt des Basketballs schlägt Nowitzki mindestens Respekt, zumeist sogar Bewunderung entgegen. So auch von Michael Jordan, der sonst ja der Ansicht ist, dass die heutigen Stars für seine „Ära“ ein wenig zu weich gewesen wären. „Ich komme gerade mal auf vier“ sagte „His Airness“ in einem Interview zu seinem 50. Geburtstag auf die Frage, wen er denn als hart genug erachte, „LeBron James, Kobe Bryant, Tim Duncan und Dirk Nowitzki“. Mehr Lob geht nicht – von einem, dessen Poster einst im Kinderzimmer Nowitzkis hing.

Einer aus dem von Jordan geadelten Quartett glaubt gar zu wissen, was ihn und Nowitzki verbindet. „Viele Leute sagen, das mache ich morgen“, sagte Kobe Bryant im Nowitzki-Film „Der perfekte Wurf“. Aber so ginge das eben nicht: „Du machst es heute, damit du morgen besser bist!“

Der unausweichliche Rekord, bester Ausländer zu sein, der je in der NBA gespielt hat, ist nur eine Bestmarke in der Karriere des mittlerweile 36-Jährigen. Sein größter Triumph ist sicherlich, seine Mavericks 2011 zur NBA-Meisterschaft geführt zu haben. Da war er „Wertvollster Spieler“ (MVP) der Finalserie gegen die Miami Heat, 2007 wurde ihm diese Ehre als MVP der regulären Saison zuteil. Seit seinem NBA-Debüt in Dallas 1999 wurde er ein Dutzend Mal für das All-Star-Game nominiert.

„Vom ersten Tag an, als niemand außer Coach Don Nelson wusste, wer zum Teufel er war, hat er große Dinge vollbracht“, sagt Kult-Coach Gregg Popovich von den San Antonio Spurs über den Mann, der seine Mannschaft seit nunmehr 17 Jahren in unzähligen Texas-Derbys oft vor schier unlösbare Aufgaben gestellt hat. „Er ist etwas langsam gestartet, musste sich erst eingewöhnen. Dann wurde aus ihm Dirk, der Hall-of-Fame-Spieler. Er ist der beste Werfer, den wir jemals gesehen haben, und dazu noch ein Mann mit Klasse. Er ist immer bereit, spielt immer hart, und ein Teamspieler. Er ist etwas Besonderes.“

Die Nummer eins bei den Ausländern zu werden, ist das eine. Kaum weniger bemerkenswert ist sicherlich, dass Nowitzki sich auch in der Rangliste aller Werfer vor Olajuwon auf Platz neun vorschiebt. Weit vor längst überholten Legenden wie Allen Iverson (24.368 Punkte), Charles Barkley (23.757), Clyde Drexler (22.195) oder gar Larry Bird (21.791).

„Sein Leistung ist erstaunlich, auch, wie konstant er in all den Jahren war“, sagt auch San Antonios Center Tim Duncan, obwohl sich Nowitzki und er ebenfalls seit 17 Jahren in direkten Duellen nicht die Luft zum Atmen gönnen. „Wir beide haben schon ein paar Klassiker abgeliefert und es hat Spaß gemacht“, schmunzelt Duncan, dessen 24.980 Punkte sich ebenfalls sehen lassen können. „Auf dem Feld ist Dirk ein überzeugender Anführer.“

Die Mavericks machten in den ersten sieben Spielen dieser Saison 105 Punkte pro Spiel. Bester Werfer war – natürlich – ihr deutscher Kapitän mit einem Schnitt von 20,6 Punkten. Er traf bislang 52,3 Prozent seiner Würfe, seine bisherige Bestmarke (51,7%) stammt aus der Meister-Saison 2010/2011. Seine Trefferquote bei den Drei-Punkte-Würfen liegt derzeit bei 46,9 Prozent, auch das liegt über seiner bislang besten Saison (42,1% in 2009/2010). Dass da bald Glückwünsche fällig werden, war also auch bei weniger Einsatzzeit als früher (jetzt 28,5 Minuten pro Spiel) nur eine Frage von Tagen.