Bundesliga

Eitles Kind aus der Weltmeister-Liga

Firmino verfünffacht in Hoffenheim seinen Marktwert und spielt erstmals für Brasilien

Auch wenn Roberto Firmino bei seiner Ankunft in Istanbul keine Interviews gab, hatten die brasilianischen Medienvertreter von ihrer Nationalelf etwas zu berichten: Stilvoll habe sich der Neuling von der TSG 1899 Hoffenheim im cremefarbenen Trenchcoat gezeigt, schwärmten die Kollegen. Gut aussehen will der 23-Jährige natürlich vor allem auf dem Fußball-Platz: Bei den Testspielen am Mittwoch gegen die Türkei und am 18. November in Wien gegen Österreich winkt Firmino das ersehnte Länderspiel-Debüt für Rekord-Weltmeister Brasilien.

Der neue Nationaltrainer Carlos Dunga hat den Bundesliga-Profi erstmals berufen. Davon erfahren hatte Firmino telefonisch von seinem Berater. „Ich wusste nicht einmal, dass heute Nominierung war. Normalerweise schaue ich mir das immer an. Immer. Aber dieses Mal habe ich nicht mal das getan“, erzählte er. Firmino war völlig aus dem Häuschen: „Ich hatte Lust zu rennen, zu schreien, es war ein Geschrei hier im Haus. Ich war sehr berührt, weil damit ein weiterer Traum wahr geworden ist.“

Überraschend kommt die Berufung nicht: Firmino verbuchte bereits vergangene Bundesliga-Saison 16 Tore und elf Vorlagen, nur Robert Lewandowski und Marco Reus lagen in der Scorerliste vor ihm. In dieser Spielzeit hat er noch zulegt: Schnell, wendig und torgefährlich ist Firmino, und inzwischen auch sehr robust. „Ich kann mich noch erinnern, wie er vor drei, vier Jahren zu uns gekommen ist als schmächtiger Junge“, sagte Hoffenheims Kapitän Andreas Beck. „Jeder hier hat sich gefreut, dass er die Einladung bekommen hat. Das zeigt, was für eine tolle Entwicklung er genommen hat.“ Die Bundesliga als Sprungbrett in Brasiliens Nationalelf, das hat es so noch nicht oft gegeben.

Möglich wurde es auch deswegen, weil der Brasilianer in Hoffenheim jeden Tag zusätzlich für sich alleine trainiert. Sein Zusammenspiel mit Kevin Volland („Mein bester Kumpel auf dem Platz“) ist zudem eine Augenweide, zuletzt machte er sich sogar mit einem Fallrückzieher zum Kandidaten für das „Tor des Monats“.

Dungas Vorgänger Luiz Felipe Scolari hatte Firmino bereits vor der Heim-WM im Sommer im Auge, für eine Nominierung reichte es aber nicht. „Firmino ist ein Spieler von großer technischer Qualität. Er ist schnell, hat eine gute Ballbehandlung und immer das gegnerische Tor im Auge“, lobte jetzt Dunga.

Der Dribbelkünstler ist auch Hoffenheims größtes Juwel, zumal sein Vertrag bis 2017 läuft. Sein Marktwert wird vom Fachportal Transfermarkt.de mittlerweile auf 25 Millionen Euro geschätzt. Wenn Firmino, der im Januar 2011 für etwa fünf Millionen Euro von Figueirense FC kam, jetzt auch noch in der Seleção einschlägt, wird er nicht mehr lange bei der TSG zu halten sein. „Wir sind auch nicht bescheuert und wissen, dass Spieler von solch einer Qualität irgendwann auch mal über uns hinauswachsen“, sagte kürzlich Sportchef Alexander Rosen.

So furios Firmino auf dem Rasen auftritt, so zurückhaltend ist er aber bei anderen öffentlichen Auftritten. „Ich möchte mein Bestes geben, um das nächste Mal wieder eingeladen zu werden“, sagte er nur. Interviews gibt er nur ungern, als Lautsprecher sticht er nicht hervor – aber als Mode-Freak.

Zuletzt spielte er mit kunterbunten Schuhen, die noch mit kaum weniger auffälligen Noppen verziert waren. „Roberto-Style“ nennt er das. Er sei eben gerne kreativ. Auffällige Klamotten, Tattoos wie die Krone am Hals, ein lila Rucksack, schräge Frisuren und immer ein dicker „Brilli“ im Ohr. „Es gefällt mir, zu experimentieren und etwas zu ändern. Ich bin da vielleicht auch ein bisschen eitel.“ Im Dezember soll sein Leben noch bunter werden: Da erwarten der Profifußballer und seine Freundin Larissa die Geburt von Töchterchen Valentina.