Formel 1

Rosberg meldet sich zurück

Der Deutsche bewahrt durch seinen Sieg in Brasilien seine WM-Chance. Ecclestone will Hamilton als Weltmeister sehen

Nico Rosberg hatte seine Nerven im Griff – und im schier aussichtslosen Duell mit seinem Mercedes-Kollegen Lewis Hamilton die Oberhand behalten. Nach 71 Runden beim großen Preis von Brasilien setzte sich der 29 Jahre alte Wiesbadener mit 1,4 Sekunden vor dem Briten durch. Sein erster Sieg seit Hockenheim am 20. Juli. Aus 24 Punkten Rückstand sind vor dem Finale am 23. November in Abu Dhabi 17 geworden. Gewinnt Rosberg auch da, muss Hamilton wegen der doppelt zählenden Finalpunkte mindestens Zweiter werden.

Hamilton, der sich im Verlauf des Rennens einmal gedreht hatte, spürt plötzlich wieder Druck. „Sorry, Jungs“, entschuldigte er sich via Funk bei seiner Crew. „Bleib ruhig“, lautete die Antwort. Den Brasilien-Auftritt hatte er sich nach zuletzt fünf Siegen in Folge und an dem Ort an dem er 2008 seinen ersten WM-Titel sichern konnte, sicher etwas anders vorgestellt.

Kalte Schulter im Ruheraum

Beide Silberpfeil-Piloten gönnten sich im Ruheraum vor der Siegerehrung eine professionelle Nichtbeachtung. Erst als der drittplatzierte Williams-Pilot Felipe Massa dazukam, kam ein kurzes Gespräch zustande. Für Mercedes war es bereits der elfte Doppelerfolg in diesem Jahr. Der bisherige Rekord von McLaren (10) aus der Saison 1988 ist jetzt Geschichte.

„Ich bin mit diesem Wochenende absolut zufrieden. Ich konnte attackieren, konnte das Rennen kontrollieren und hatte alles gut im Griff. Ich bin momentan ganz einfach happy“, sagte Rosberg. Für Lewis Hamilton blieb die Rolle des guten Verlierers. „Nico hat einen guten Job gemacht, gratuliere. Ich hatte auch viel Spaß am ganzen Wochenende“, ließ der nach wie vor favorisierte Pilot wissen. Hamilton weiß aber, wie fragil sein Vorsprung ist.

Mercedes-Rennleiter Christian Wolff gab Gleichbehandlung als Devise für das Finale aus. „Wir sind in der Pflicht beiden das bestmögliche Auto zur Verfügung zu stellen. Den Rest müssen die beiden dann auf der Strecke regeln. Wir können auf jeden Fall stolz sein auf dieses Team“, beließ es der 44-Jährige bei Allgemeinplätzen.

Titelverteidiger Sebastian Vettel, im Vorjahr noch Sieger in Sao Paulo, kam hinter McLaren-Routinier Jenson Button als Fünfter über die Ziellinie. Nico Hülkenberg sicherte sich in seinem Force India als Achter noch vier WM-Punkte. Sauber-Pilot Adrian Sutil ging als 16. erneut leer aus.

Unabhängig davon wie das WM-Duell Hamilton kontra Rosberg ausgeht, hat sich Formel-1-Chef Bernie Ecclestone zu einer nicht eben sportlich korrekten Aussage hinreißen lassen. Auf die Frage eines Mitarbeiters des Online-Anbieters formula1.com (im Beisein von Lewis Hamilton), wen er lieber als Weltmeister sehen würde, sagte der 84-jährige Brite nach kurzem Zögern: „Privat denke ich, dass Lewis ein guter Champion wäre. Er ist weltweit bekannter als Nico, deshalb wäre er auch der bessere Weltmeister für den Sport. Ich bin überzeugt, dass beispielsweise 80 Prozent der Amerikaner wissen, wer Lewis ist, und das gilt wahrscheinlich auch für den Rest der Welt. Die meisten Leute haben aber noch nie von Nico gehört. Lewis wäre deshalb mit Blick auf den Sport der bessere Champion.“

Natürlich steht Ecclestone seine private Meinung zu. Diese aber in der momentanen Situation öffentlich zu äußern ist unfair. Die Vorliebe für den Champion von 2008 teilt übrigens auch Mercedes-Teamvorstand Niki Lauda. Ecclestone wäre zu wünschen, dass er ausgerechnet wegen der von ihm für das Saisonfinale eingeführten doppelten Punktvergabe dem deutschen Piloten zum WM-Titel gratulieren müsste. Das hätte unter Umständen einen doppelten Effekt. Erstens: Bis zum Ende fair zu bleiben. Zweitens: Die Regel ganz schnell wieder zurücknehmen.

Erste und zweite Formel-1-Liga

Doch Ecclestone wäre nicht Ecclestone hätte er nicht wieder neue Ideen. Wegen der grassierenden Finanzkrise hält er eine Aufspaltung der Königsklasse in eine erste und zweite Liga für vorstellbar. „Vielleicht ist es eine Idee, neben der Konstrukteurs- eine Team-Weltmeisterschaft zu veranstalten“, sagte Ecclestone in Sao Paulo. In der ersten Liga würden demnach weiter die großen vier Teams Ferrari, Mercedes, Red Bull und McLaren mit großen Motorenherstellern im Rücken fahren. Daneben würden kleinere Teams ohne Konzernunterstützung wie Williams, Lotus, Sauber oder Force India ihren eigenen Wettbewerb austragen, ohne sich wegen der ausufernden Kosten in den Ruin zu stürzen.

„Es muss etwas passieren“, sagte Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn, die aus lauter Not gerade erst Adrian Sutil (Gräfelfing) gefeuert und in Felipe Nasr (Brasilien) einen weiteren Bezahlfahrer für die kommende Saison verpflichtet hat, um halbwegs über die Runden zu kommen. Die Krisengespräche in Brasilien um eine mögliche Reduzierung der Ausgaben und eine Reform der Verteilung der Preisgelder nannte Ecclestone jedoch „Zeitverschwendung“ und gab den um ihre Existenz kämpfenden Rennställen eiskalt einen Rat: „Gebt nicht mehr aus, als ihr habt.“ Die Frage, wer eine 1B-WM mit Sponsoren-Millionen unterstützen würde, hat Mr. E. tunlichst nicht zu beantworten versucht.