BFC Dynamo

Alles wie immer – und doch ganz anders

Nach Rücktritt von Trainer Uluc ringt der BFC um Normalität. Stratos ist neuer Coach

Man kann nur spekulieren, ob die Ansetzer der Regionalliga Nordost im Sommer tatsächlich schon an den 25. Jahrestag des Mauerfalls gedacht haben. Fakt ist: Eine Paarung mit höherem Ostaglie-Faktor hätten sie sich für den Vortag des Jubiläums nicht aussuchen können. Hier der Rekordmeister der DDR-Oberliga, der BFC Dynamo – dort der 1. FC Magdeburg, der einzige DDR-Klub, dem es je gelang, einen europäischen Titel zu erringen.

Fans aus beiden Lagern sorgten bei der Neuauflage dieses Ost-Klassikers schon vor dem Anpfiff für eine große Kulisse. „Beh-Eff-Zeh“ und „Dy-na-mo“ schallte es von der Gegengraden, „Eff-Zeh-Emm“ und „Aus-wärts-sieg“ aus dem Gästeblock. Mehr als 5.100 Zuschauer hatte es in den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark gezogen. Einer aber fehlte: Volkan Uluc.

Der 44 Jahre alte Deutsch-Türke war eine Woche zuvor überraschend als Trainer des BFC Dynamo zurückgetreten. Nun, 818 Tage nach seinem Debüt, saß Uluc erstmals nicht mehr an der Seitenlinie. Großartig bemerkbar machte sich sein Fehlen jedoch nicht, zumindest nach außen. Die Fans, bei denen Uluc ungemein beliebt war, würdigten den abgetretenen Erfolgscoach weder mit Transparenten, noch mit Gesängen. Das Team, das Uluc in den vergangenen zweieinhalb Jahren von einem schwächelnden Oberligisten zu einem ambitionierten Viertliga-Aufsteiger geformt hatte, verzichtete ebenfalls auf ein Statement. Ein paar warme Worte über die Stadionlautsprecher? Fehlanzeige. Fast machte es den Eindruck, als wäre bei Dynamo alles wie immer. Dabei konnte von Normalität keine Rede sein. Ulucs Rücktritt hat die vermeintlich intakte BFC-Welt aufs heftigste erschüttert. „Wir waren alle geschockt“, sagt Kevin Meinhardt, der Sportliche Leiter des Vereins. In der Streitfrage, die Trainer und Verein auseinander trieb, bezieht er eine klare Position. „Volkans Prinzipien“, sagt er, „kann ich absolut nachvollziehen.“ Zu besagten Prinzipien zählen Geradlinigkeit und Vertrauen, Werte, die Uluc verkörpert wie kaum jemand sonst im Berliner Fußball. Mit den Dampfplauderern, von denen es in seiner Zunft nur so wimmelt, hat der Mann mit der kräftigen Statur und der markanten Glatze wenig gemein. Besonnen, höflich, respektvoll – unter Fußballtrainern wirkt Uluc fast wie ein Zen-Meister.

Umso überraschender kam sein Rücktritt. Die Entstehungsgeschichte ist schnell erzählt. Ende August suspendiert Uluc seinen Innenverteidiger Philipp Haastrup, weil jener mit dem Regionalliga-Konkurrenten Berliner AK verhandelt. Der Trainer fühlt sich hintergangen und lässt seinen vormaligen Leistungsträger fortan nicht mehr mit dem Team trainieren. Anfang November hebt die Vereinsführung die Suspendierung auf. Für Uluc eine Grenzüberschreitung. Stichwort Prinzipien: Sportliche Entscheidungen sind für ihn einzig und allein Sache des Trainers. Als sich die Fronten verhärten, zieht er Konsequenzen. Für Klub-Präsident Norbert Uhlig kam Ulucs Rücktritt angeblich „völlig überraschend“. Und die Gründe sind ihm schleierhaft. „Der Spieler hat laut Arbeitsvertrag ein Anrecht auf Training mit der ersten Mannschaft“, sagt Uhlig. Die Rechtslage sei eindeutig, einen etwaigen Schlagabtausch vor Gericht habe man sich daher sparen wollen. Das klingt einerseits plausibel, auf der anderen Seite hätte sich die Situation sicherlich auch anderweitig lösen lassen, etwa mit einer Abfindung. Für sein Pochen auf Vertragserfüllung hat Uhlig einen hohen Preis bezahlt. Er hat den Mann verloren, der auf dem besten Weg war, den „schlafenden Riesen“ Dynamo zum drittbesten Team der Stadt zu formen.

Gegen Magdeburg wurde das Team von Ulucs bisherigem Co-Trainer Martino Gatti betreut. Haastrup stand nicht im Kader – und nach wenig erbaulichen, aber sehr intensiven 90 Minuten unterlag Dynamo mit 0:1 (0:1). Den Treffer des Tages erzielt Magdeburgs Angreifer Christian Beck kurz vor der Pause (44.).

Am Sonntag dann gab der BFC die Verpflichtung von Thomas Stratos als neuen Coach bekannt. Stratos, der als Trainer unter anderem mit dem Zweitliga-Absteiger Jahn Regensburg in der Saison 2013/14 den Klassenerhalt in der 3. Liga schaffte, unterschreibt beim BFC einen Vertrag bis 2016.